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Abschluss der Kauf Regional-Woche: Der Erdüberlastungstag ist hier

Im Rahmen der Projektwoche Kauf Regional-Woche habt ihr vielleicht schon online oder gestern an unserem Stand am Handwerkerbrunnen euren Ökologischen Fußabdruck ausgerechnet. Eine der vier Säulen im Test ist das Thema Ernährung und deren Einfluss auf eure persönliche Klimabilanz.

Heute am 22.08.2020 ist Earth Overshoot Day, auf Deutsch Welt-Überlastungstag. Also der Tag im Jahr, an dem wir mehr Ressourcen im aktuellen Jahr verbraucht haben, als die Erde regenerieren kann. Idealerweise würden wir mit einer nachhaltigen Ernährung nur so viele Ressourcen verbrauchen, wie die Erde auch wieder regenerieren kann.

Nun stellt sich die Frage, wie groß nun wirklich der Einfluss der eigenen Ernährung auf das Klima und dem damit zusammenhängenden Ausstoß von Treibhausgasen ist und ob die persönliche Ernährungsweise wirklich soviel den Klimawandel beeinflusst.

Warum Ernährung?

Hinter eurer persönlichen Ernährung stecken nicht nur eure individuellen Entscheidungen, was es heute zu essen gibt, sondern dahinter versteckt sich auch mit einer der größten Wirtschaftssektors Deutschlands. Der Lebensmittelsektor hat laut dem Bundesministerium für Umwelt in etwa den gleichen Einfluss auf das Klima wie der Verkehrssektor. Also ist eure eigene Ernährung nicht zu unterschätzen. Etwa 25% der Treibhausgase in Deutschland werden durch unsere Ernährung erzeugt, was gar nicht so wenig ist (Quelle: Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz).

Warum ist die CO2-Bilanz bedeutend für das Klima?

CO2 ist das am häufigsten durch menschliche Tätigkeiten erzeugte Treibhausgas, auf das die anthropogene Klimaerwärmung, also der vom Mensch beeinflusste Klimawandel, zu 63 % zurückgeführt wird. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist heute um 40 % höher als zu Beginn der Industrialisierung. Und das nicht nur große Unternehmen, sondern auch durch unsere individuellen Konsumentscheidungen.

Wo und wie entsteht CO2 bei euren Lebensmitteln?

Unsere Küche ist in den letzten Jahren immer globaler geworden – und so auch die Probleme, die sie verursacht

Insbesondere bei tierischen Produkten fängt das Entstehen von CO2 nicht erst beim Tier selber an, sondern bereits viel früher mit der Futtermittelgewinnung. Um die Tiere zu versorgen werden Monokulturen mit Soja und ähnlichen Futtermitteln angelegt, wodurch die Biodiversität lässt nach. In einem Bericht des UN-Umweltprogrammes wurde festgestellt, dass unser heutiges Ernährungssystem für mehr als 60% Verlust der Biodiversität verantworte, vor allem der Sektor der Fleisch- und Futtermittelproduktion. Biotope, wie auch Regenwälder, werden zerstört, um die große Menge an benötigtem Futtermittel gewährleisten zu können. Zusätzlich wird der Boden in der Produktion durch Dünger und Pestizide belastet.

Auch in Deutschland hat die Herstellung von Fleisch und Milch den höchsten Anteil der Landnutzung, insgesamt 77% des Agrarlandes und das obwohl mit diesen beiden Kategorien nur 17% des Kalorienbedarfes des Menschen gedeckt werden (Quelle: Fleischatlas 2018).

Weiter wird CO2 in der Haltung der Tiere an sich, ob es nun durch die Energie die für die Beheizung und Beleuchtung der Ställe, als auch durch die Tiere selber, ausgestoßen. Auch der Transport des Tieres hin zum Schlachthof und der weitere Transport des Fleisches, unter Einhaltung der Kühlkette, sorgt für einen immer höher werden CO2-Bilanz für Fleisch. So kommt es dazu, dass ein 1 kg Rinderfleisch vom Metzger 10 bis 20 kg Treibhausgase produziert.

Regionale und saisonale Ernährung ist einfacher als viele denken.

Also worauf könnt ihr achten, wenn ihr euren Fußabdruck verringern wollt und das Erde positiv beeinflussen wollt?

Regionalität

Wenn ihr eure Lebensmittel regional bezieht, spart ihr so zusätzliche Transportwege ein. Vielleicht doch auch mal auf dem Wochenmarkt einkaufen? Dort könnt ihr so auch die Wirtschaft vor Ort fördern und eure Lebensmittlerhändler*innen direkt kennen lernen.

Saisonalität

Am klimafreundlichsten ist Obst und Gemüse, welches saisonal und regional bezogen wird, am besten aus ökologischem Anbau. Der Umstieg auf einen Einkauft von saisonalem Gemüse und Obst, spart weitere Treibhausgase ein. Hier fallen dann vor allem Lagerung, aber auch Transportweg für alle Lebensmittel, die es nur weiter weg gibt weg.

Nicht nur für die Umwelt ist regionaler und saisonaler Anbau das Beste, sondern auch für euch: wenn Gemüse und Obst zum richtigen Zeitpunkt geerntet wird, schmeckt es besser und es sind mehr Vitamine und Mineralstoffe enthalten (Quelle Bundeszentrum für Ernährung). Da die Kosten für die Lagerung und Transport gespart werden, sind saisonale Produkte sogar meist günstiger und so spart ihr dabei noch Geld.

Eine Übersicht, wann welches Obst und Gemüse in Saison ist, findet ihr in unserem Blogbeitrag von dieser Woche zum Thema Saisonkalender.

Wichtig ist aber immer ein Schritt nach dem anderem. Macht euch erst, vielleicht auch mit Hilfe unseres Tests zum Ökologischen Fußabdruck, bewusst und überlegt dann, was ihr ändern könnt. Ihr müsst ja nicht gleich nur noch regional, saisonal und vegan essen. Vielleicht sucht ihr euch eine Möglichkeit zur Veränderung aus, wie ein Einkauf auf dem Markt und startet mit einer Veränderung hin zu einer klimabewussteren Ernährung.

Von svantje

Svantje ist seit August 2020 Redakteurin auf dem FairWeg-Blog und beschäftigt sich besonders mit Themen wie Fairem Handel und Ernährungspolitik.