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Macht Globus unser Trier kaputt?

Die Debatte um den geplanten Globus in Trier ist in den letzten Tagen wieder aufgekocht: Kritiker befürchten den Untergang der Innenstadt und den Verkehrskollaps in Trier, Befürworter erwarten mehr Einnahmen durch Kunden aus Luxemburg. Der Stadtrat hat in seiner Sitzung vergangene Woche die Weichen für einen Standort in der Monaiser Straße gestellt.

Aber was ist eigentlich das Problem an einem Warenhaus in Zewen – und was hat das mit Veranstaltungen zu tun?

Was ist das Problem?

In der Debatte um Globus in Trier geht es nicht um das Warenhaus an sich, sondern vor allem um drei Probleme, jedes größere Warenhaus mit sich bringt:

  1. Der Auto-Verkehr nimmt zu und damit die Luft- & Umweltverschmutzung in der Stadt.
  2. Große Flächen werden versiegelt und unbrauchbar.
  3. Die krisenfeste Versorgung mit regionalen Lebensmitteln wird erschwert.

Es geht also primär um die Frage, wie wir eine zukunftsfähige und krisensichere Nahversorgung aufbauen können, die nicht zu Lasten der Umwelt geht und die regionale Produktion und Weiterverarbeitung von Lebensmitteln auch in Zukunft ermöglicht.

Der Verkehr nimmt zu – und die Lebensqualität ab.

Globus selbst geht davon aus, dass nahezu alle Kunden mit ihrem Auto kommen werden, um ihre Einkäufe zu erledigen – sowohl von außerhalb wie von innerhalb der Stadt. Das wird zu einem massiven Anstieg des Auto-Verkehrs in Trier führen. Die Folgen? Stau, Abgase, schlechte Luft und überfüllte Parkplätze und Parkhäuser. (Letzteres natürlich nur, wenn die KundInnen nach ihrem Einkauf und dem Imbiss im Markt dann tatsächlich noch in die Stadt fahren wollen…)

Zeitgleich ist die Stadt aber bestrebt, den Auto-Verkehr in Trier zu reduzieren. Dafür sind Park & Ride-Plätze eingerichtet worden, es wurde ein Radverkehrskonzept erstellt und auch im Aktionsplan Entwicklungspolitik hat der Stadtrat beschlossen, den Anteil der Autos am Gesamtverkehr zu senken, und dafür mehr Busse und Fahrräder in die Stadt zu bringen. Mit dem Aufkommen der Lastenräder in den letzten Jahren gibt es schließlich auch keinen Grund mehr, zum Einkaufen aufs Auto zurückzugreifen.

Zu viel Verkehr?

Das Problem, dass die meisten BesucherInnen mit ihrem eigenen Auto kommen, es zu großen Staus kommt und wir dafür sorgen müssen, dass es genügend Parkplätze gibt, kennen wir als Veranstalter doch!
Vielleicht können wir der Stadt mit unserer Erfahrung ja helfen: Schafft Anreize, das Auto stehen zu lassen, verbessert die Radinfrastruktur und Verleihsysteme und schafft Park & Ride-Möglichkeiten außerhalb, damit es nicht in der Stadt zum Stau kommt.
Das hilft allen – Veranstaltern, Händlern und Besuchern. Ach ja, und dem Klima.

Die Stärkung der Innenstadt hat für die Stadt hohe Priorität – Umdenken ist gefordert. (Bild: ADSUBIA, Wikimedia Commons)

Flächen gehen verloren.

Die Fläche, die für einen Supermarkt gebraucht wird, ist immens. Nicht zuletzt wegen der Parkplätze, die zur Verfügung gestellt werden müssen. Die Landwirtschaftskammer und das Umweltministerium in Rheinland-Pfalz teilen mit, dass im Land täglich ein Hektar Land versiegelt wird, unter anderem, weil Kommunen bei der Ausweisung neuer Gebiete zu wenig darauf Acht geben.

Versiegeln heißt: Diese Flächen sind nicht mehr für Landwirtschaft oder für den Naturschutz verfügbar. Auch hier hat die Stadt Trier im Aktionsplan Entwicklungspolitik deutlich gemacht: Schützenswerte Flächen müssen geschützt bleiben und die Stadt setzt sich für eine zukunftsfähige, kleinbäuerliche Landwirtschaft in der Region ein. Ein großflächiges Warenhaus mit großflächigen Parkwüsten davor ist mit dieser Zielsetzung nicht vereinbar.

Wohin damit?

Klar, jedes Unternehmen braucht – genau wie jede Veranstaltung – einen physischen Ort. Aber muss es denn immer neu und immer größer sein? Wenn wir auf Parkplätze verzichten können, sparen wir jede Menge Platz, den wir für sinnvolle Dinge verwenden können: Parks, Gärten, Begegnungsorte.
Und vielleicht finden wir ja Möglichkeiten, Orte für verschiedene Zwecke zu nutzen: Tagsüber Parkplatz, abends Open-Air-Bühne? Grüne Fassaden, die Häuser kühlen, und Mooswände, die Abgase filtern? Oder wie wär’s mit Dachgärten?
Schreibt uns eure Ideen in die Kommentare!

Regionale Landwirtschaft wird geschwächt, die internationale Konkurrenz steigt.

Flächen sind ohnehin schon Mangelware für die Landwirtschaft. Je mehr Flächen versiegelt werden, desto schwieriger wird es für heimische Unternehmen, Lebensmittel aus der Region und für die Region herzustellen. Das führt dazu, der Druck durch große Agrarkonzerne auch international zunimmt und mehr Waren importiert werden – oft aus Ländern, die es mit dem Naturschutz noch weniger genau nehmen als Deutschland. Spätestens die CoViD-19-Pandemie hat gezeigt, wie anfällig komplexe globale Lieferketten für Störungen sind. Echte Ernährungssicherheit gibt es nur mit einer heimischen Landwirtschaft und Märkten, die sich auf regionale Waren spezialisieren, anstatt ein Regal mit Regionalem unter vielen internationalen Regalen aufzustellen.

Auch in Sachen Gewerbesteuer ist das Vertrauen auf die Ansiedlung großer Handelsunternehmen ein Schuss in den Ofen: Wer landwirtschaftliche Betriebe schwächt, sorgt dafür, dass nicht nur deren Steuerzahlungen geringer ausfallen, sondern auch die der weiterverarbeitenden Betriebe wie Fleischer, Bäcker oder Getränkehersteller. So könnten die Steuereinnahmen letztlich geringer ausfallen – nicht zuletzt, wenn der große Händler einmal den Standort wechseln oder den Betrieb aufgeben muss.

Vielfalt statt Macht!

Viele kleine Betriebe, die zusammenarbeiten und starke Netzwerke schaffen, sorgen für Vielfalt und sind krisenfest. Große Unternehmen dürfen nicht in Konkurrenz dazu treten, sondern müssen Wege finden, wie sie sich in diese Netzwerke einfinden und andere Betriebe unterstützen.
Kooperation nutzt nicht nur den Unternehmen, sondern auch den Menschen und dem Klima.


Gleiche Probleme, gleiche Lösungen?

Die drei benannten Probleme sind nur ein Beispiel für das komplexe Problem einer nachhaltigen Nahversorgung. Aber es hat erstaunliche Parallelen zu den Herausforderungen, denen wir uns als Veranstalter gegenüber sehen:

Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Gäste möglichst NICHT mit dem Auto, sondern mit ÖPNV, Rad oder zu Fuß zu uns kommen (und wieder nach Hause).

Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Locations nicht mit anderen Nutzungen in Konkurrenz treten, sondern sie organisch ergänzen und neue Potentiale schaffen.

Und wir müssen dafür sorgen, dass wir viele innovative Unternehmen und Gruppen in einem starken Netzwerk bilden, anstatt uns immer weiter zu zentralisieren und den Markt wenigen großen Playern zu überlassen.

Wir als Veranstalter können hier und jetzt die ersten Schritte tun: Unsere Events mit dem ÖPNV koppeln und mit den Verkehrsunternehmen verhandeln. Wegbeschreibungen für Bus, Bahn, Rad und zu Fuß anbieten. Online Fahrgemeinschaften bilden lassen. Regional einkaufen und Kooperationen mit Landwirtschaft, Handwerk und Handeln eingehen – also vom Kunden zum Partner werden.

Wenn wir die ersten Schritte tun, werden andere uns folgen und dafür sorgen, dass unser Trier grün, sauber und lebenswert bleibt und nicht zu einer Betonwüste verkommt.

Habt ihr weitere Ideen, wie wir Innovation und Klimaschutz gemeinsam voranbringen können? Schreibt es uns in die Kommentare!

Von Michael

Michael ist seit 2017 bei der Lokalen Agenda aktiv und moderiert, recherchiert und schreibt seither vor allem zu nachhaltigem Einkauf, solidarischem Wirtschaften und zukunftsfähigen Ideen.

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