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Eventmüll – vermeidbar?

Auch wenn Veranstaltungen momentan meist digital stattfinden müssen, können wir uns bestimmt alle an die letzten Konzerte, Festivals oder andere Versammlungen erinnern. Die Stimmung ist super, die Musik genau trifft genau unseren Geschmack und dann gehen wir zum Essens- oder Getränkestand und können kaum etwas ohne Einwegverpackungen erhalten. Aber geht das nicht auch nachhaltiger und ist der meiste Müll nicht sogar vermeidbar? Um eine Antwort zu finden, haben wir uns einige Fragen gestellt:

Wie lässt sich Abfall trennen oder ganz vermeiden?

So banal es klingt, aber am effektivsten ist es natürlich, Müll ganz zu vermeiden. Hier bieten sich zahlreiche Möglichkeiten: Du kannst z.B. ein digitales Ticketsystem anbieten damit auf den unnötigen Ausdruck von Tickets verzichtet werden kann. Ein Großteil des Mülls, der bei Events anfällt, besteht aus Plastikbechern und Einweggeschirr. Eine gute Alternative bieten hier abwaschbare Teller, Gläser usw., die du dir als Veranstalter:in mieten und sogar spülen lassen kannst, sodass für dich kein Mehraufwand besteht. Ansprechpartner wären hier z.B. www.geschirrverleih-seif.de oder www.mietmeile.de, wobei Ersteres ein kleines, flexibles Unternehmen ist, das kleinere Veranstaltungen (bis zu 800) ausstatten kann, während Letzteres noch viele weitere Leihartikel wie Deko, Veranstaltungstechnik oder Fahrzeuge vermietet und für Großveranstaltungen ausgelegt ist. Du siehst, es gibt für jede Veranstaltung einen Ansprechpartner. Eine weitere Möglichkeit ist, dazu aufzurufen, ein eigenes Behältnis mitzubringen und entsprechende preisliche Anreize, etwa in Form von Rabatten, zu setzen. Vielleicht macht man ja einen lustigen Wettbewerb daraus, in dem es darum geht, wer das skurrilste Trinkgefäß dabei hat?

Allgemein lässt sich viel unnötiger Müll einsparen, indem man jedes produzierte Gut so oft wie möglich nutzt. Selbst nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums sind viele Lebensmittel noch gut und sollten nicht voreilig weggeworfen werden. Auch Papiertüten sollten nicht so schnell entsorgt werden, da der Gedanke, dass sie ja recycelt werden, trügen kann: Papiertüten halten nur gut, wenn die Holzfasern lang genug sind. Diese verkürzen sich bei jedem Recyclingprozess um ein Vielfaches, daher bestehen Papiertüten fast nie aus Altpapier sondern aus langen Frischfasern und werden damit sehr ressourcenintensiv (Energie, Wasser, Holz) produziert.

Vor allem im Catering kannst du viel unnötigen Müll einsparen, indem du Lebensmittelabfälle weitestgehend vermeidest: diese sind nämlich nicht nur ein Umweltproblem, sondern auch ein entscheidender Kostenfaktor. Dafür gibt es einige Wege, man kann z.B. im Vorhinein den Bedarf der Gäste abfragen (das bietet sich vor allem bei kleineren Veranstaltungen an: kostenlose Umfragetools gibt es mittlerweile en masse), unterschiedliche Portionsgrößen anbieten oder bei der Planung mit einkalkulieren, was mit den Resten passiert. Denn auch hier bieten sich wieder zahlreiche Möglichkeiten: Du könntest kurz vor Schluss eine Art Happy Hour veranstalten, wo es Essens- und Getränkereste zum halben Preis gibt oder die Restgerichte über Firmen wie toogoodtogo.de weiterverkaufen. So minimierst du den finanziellen Verlust und tust der Umwelt in einem etwas Gutes. Ansonsten kannst du Reste auch immer an Tafeln oder Foodsharing weitergeben, die sich sicherlich mehr darüber freuen als die Tonne. Wichtig ist es auch, den Gästen das Ausmaß von Lebensmittelverschwendung sichtbar zu machen, denn viele machen sich darüber kaum Gedanken. Hier kannst du wieder kreativ werden, z.B. in Form eines transparenten Mülleimers für Essensreste, der mithilfe einer Skala die Müllmenge in Zahlen fasst. So überlegt man sich zweimal, ob man die Reste wirklich wegschmeißen möchte.

Warum ist Mülltrennung so wichtig?

Dass Europa immer mehr Waren aus dem günstigeren asiatischen Raum über riesige Containerschiffe bezieht, ist klar. Doch nur wenige wissen, dass diese Schiffe nicht immer leer zurückfahren. Oft beladen mit Müll. Offiziell Plastikmüll, der zum Beispiel in Malaysia in Recyclinganlagen zu neuen Stoffen verwertet/ recycelt werden soll. „Soll“, aber nicht „wird“, denn viele Haushalte trennen den Müll nicht gut genug und deswegen landen auf den Philippinen auch volle Windeln statt verwertbaren Plastikverpackungen. Müll, der nichts wert ist. Und überlegt man sich einmal, was eigentlich mit unserem Müll passieren könnte, so lernt man diesen auf eine ganz neue Weise wertzuschätzen: Durch Recycling werden Ressourcen wiedergewonnen, die man dafür nicht woanders einkaufen und erst einmal aufwändig produzieren muss. Uns wenn es gar nicht anders geht, so kann Müll immer noch durch Verbrennung zur Energiegewinnung genutzt werden. Das System funktioniert aber nur solange es nicht überlastet ist, heißt wenn wir die entstehenden Müllmengen nicht ständig durch Einwegprodukte vergrößern. Daher ist es extrem wichtig, Müll zu vermeiden, und wenn dies nicht möglich ist, ihn richtig zu entsorgen. Eine einfache Beschriftung an den verschiedenen Müllbehältern kann schon reichen, damit Besucher:innen, die unsicher sind was wohin gehört, ihren Müll richtig entsorgen. Die A.R.T. gibt immer Informationen/ Auskunft, falls individuelle Fragen bestehen. Grundsätzlich sollte man zwischen Papiermüll, Gelber Sack, Glasmüll, Biotonne, Restmüll und Sondermüll (Elektroschrott, Schadstoffkleinmengen) und Sperrmüll unterscheiden, wobei je nach Art des Events sicherlich auf die ein oder andere Tonne verzichtet werden kann.

Wie nachhaltig sind Mehrweggebinde?

Mehrweggebinde sind so ausgelegt, dass sie mehrere (bis zu 50) Gebrauchsumläufe überstehen, ohne an Stabilität und Gebrauchsfertigkeit zu verlieren. Doch wie nachhaltig sind Mehrweggebinde wirklich? Hier muss man zwischen verschiedenen Arten von Mehrweggebinden, die für Veranstalter:innen interessant sein könnten, unterscheiden: Glasflaschen, Tetrapacks und PET-Flaschen. Allgemein gilt, dass der Energieaufwand beim Transport mit dem Gewicht des Behältnisses steigt. Kurze Transportwege sind immer gut, aber bei Glasflaschen besonders wichtig. Diese sind einfach zu recyceln (Quote fast 100%) und können am häufigsten wiederverwendet werden. Tetrapacks sind dagegen schön leicht und können energieeffizient über weite Strecken transportiert werden. Dafür tun sie sich aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung und der häufig falschen Entsorgung (eigentlich Gelber Sack) beim Recycling schwer (Quote 35-60%). Zuletzt wären da noch PET-Flaschen. Diese sind wieder leicht und schneiden in Sachen Transport gut ab, sie verbrauchen aber dafür in der Produktion einen hohen Anteil fossiler Brennstoffe und werden häufig nicht in Flaschen o.ä. wiederverwendet, da das Material schnell an Wertigkeit verliert. Letzten Endes ist die ökologischste Variante, regionale Getränke in Glasflaschen zu kaufen, die mehrmals verwendet werden können. Weitere Infos findest du beim NABU – doch alles in allem bleibt es das Beste, auf Müll zu verzichten

Ist Müll auf Veranstaltungen vermeidbar?

Ja! Egal ob man Geschirr mietet, Lebensmittel rettet oder die Anreise zum Event organisiert: Jede:r hat die Möglichkeit, Events nachhaltiger zu gestalten. Auch wenn sich vorerst nicht aller Müll weg dezimieren lässt, so kann man auch mit dem anfallenden Müll durch sorgfältige Mülltrennung und die Auswahl umweltfreundlicher Einwegsysteme gut umgehen. Weitere Informationen und Links sind in unserem Leitfaden zum Thema Waste Management zu finden.

Daniela

Praktikantin bei der Lokalen Agenda

Daniela macht gerade ein Praktikum bei der Lokalen Agenda, da ihr Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema ist, ebenso wie ein respektvolles Miteinander und Spaß an der Arbeit.