Behindert sein? Behindert werden!

von Lea
21. September 2022
Über den Play-Button könnt ihr euch den Text auch vorlesen lassen!

Das Projekt „FairWeg – Fairanstalten für alle!“ geht in die nächste Runde. Schwerpunkt ist diesmal die inklusive Veranstaltungsplanung im Raum Trier. Wir möchten gemeinsam mit Veranstaltenden das kulturelle Leben in Trier inklusiver gestalten. Zum Start möchten wir uns im ersten Blogbeitrag dem Thema Inklusion ganz allgemein widmen. Da der praktische Fokus des Projekts auf der Teilhabe von Menschen mit einer Behinderung liegt, wollen wir uns dementsprechend auch den beiden Begriffen Behinderung und Barriere nähern.

Zu Inklusion zählen wir als Lokale Agenda 21 im erweiterten Sinne die gleichberechtigte Teilhabe an allen gesellschaftlichen Prozessen unabhängig von Alter, Geschlecht, Behinderung, sozialer Herkunft, sexueller Orientierung und sonstiger individueller Merkmale. Teilhabe heißt dabei nicht nur die Möglichkeit zu haben teilzunehmen, sondern auch zu partizipieren. Also die Selbstbestimmung und Beteiligung von Menschen mit Behinderung zu ermöglichen und zu fördern.

Was heißt eigentlich Mensch mit Behinderung?

(c) Andi Weiland | 21.08.2019

Behinderung ist noch immer ein stark stigmatisierter Begriff, den viele Menschen lieber vermeiden. Dabei handelt es sich zunächst um eine Beschreibung, die nicht wertend ist. In den 1980ern hat sich der Blickwinkel auf Behinderung grundlegend verändert. Der Begriff meint demnach nicht nur die individuelle Beeinträchtigung einer Person, sondern vor allem auch die Barrieren, die durch eine Umwelt entstehen, die nicht auf die Eigenschaften der Person eingestellt ist. Die Person wird demnach behindert und ihre Beeinträchtigung wird erst durch diese Barrieren zum Problem.

Auch wenn es sich bei „Behinderung“ um einen neutralen Begriff handelt, ist es wichtig auf eine diversitätssensible Sprache zu achten. Menschen mit einer Behinderung sind keine Gruppe, die sich unter dem Merkmal ihrer Behinderung zusammenfassen lässt. Der Mensch steht im Vordergrund. Daher wird der Ausdruck „Mensch mit Behinderung“ meist bevorzugt. Generell gilt aber, dass jeder Mensch selbst entscheiden kann, wie er*sie angesprochen werden möchte und das sollte von den Gesprächspartner*innen respektiert und angenommen werden.

Wenn ihr euch mehr Tipps zu einer diversitätssensiblen Sprache wünscht, schaut doch gerne mal in den Leitfaden „Ausgesprochen Vielfältig“ der Koordinierungsstelle zur Förderung der Chancengleichheit an sächsischen Universitäten und Hochschulen oder dem Leitfaden „Auf Augenhöhe“, herausgegeben von der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, vorbei.

Welche Barrieren gibt es?

Der dritte Teilhabebericht der Bundesregierung zeigt erneut, dass Menschen mit einer Behinderung seltener kulturelle Veranstaltungen besuchen als Menschen ohne Behinderung. Grund dafür sind mehr oder weniger sichtbare Barrieren. Viele Menschen denken bei Barrieren zunächst an Treppen oder zu schmale Türen. Räumliche Barrieren schränken die Lebensgestaltung vor allem von Menschen mit einer motorischen Beeinträchtigung auch immer noch sehr stark ein. Barrieren lassen sich allerdings in ganz verschiedenen Bereichen finden und sind nicht immer sichtbar, vor allem nicht für Personen ohne eine Beeinträchtigung.

(c) Andi Weiland | 21.08.2019

Auch Kommunikation kann sowohl verbal als auch nonverbal Barrieren mit sich bringen. Menschen mit einer Seh-, Hör- oder Lernbeeinträchtigung sind von Vorträgen, Konzerten oder Live Shows ohne eine Übersetzung in Leichte Sprache, eine Verschriftlichung gesprochener Sprache, eine Hörverstärkung oder eine verbale Erläuterung von visuellen Medien ausgeschlossen. Um den verschiedenen Bedürfnissen gerecht zu werden, ist es daher wichtig, unterschiedliche Kommunikationswege anzubieten oder durch technische Hilfsmittel die Verständlichkeit zu gewährleisten.

Ein weiterer Exklusionsfaktor sind finanzielle Barrieren. Menschen mit Behinderung sind seltener erwerbstätig und daher häufiger von Leistungen der Grundsicherung betroffen. Eine schlechte materielle Situation lässt nicht viel Spielraum für die Freizeitgestaltung.

Am wenigsten sichtbar sind soziale Barrieren. Vorurteile und stereotype Bilder führen dazu, dass Menschen mit einer Behinderung nicht ernst genommen werden oder ihnen gar Kompetenzen abgesprochen werden. Berührungsängste von Menschen ohne Behinderung führen zu mangelnder Teilhabe in sozialen Kreisen. Diese Art der Barriere ist nicht nur am wenigsten sichtbar, sondern auch am schwierigsten zu bekämpfen. Neben ausreichender Bildungsarbeit liegt es hier an uns Vorurteile zu bekämpfen, unsere eigenen Denkweisen zu hinterfragen und vor allem Menschen mit einer Behinderung zuzuhören und ernst zu nehmen.

In der Auseinandersetzung mit dem Thema haben wir gemerkt, wie viel noch zu tun ist, wie viel wir selbst zu lernen haben und wie divers die Angriffspunkte sind, um Veranstaltungen inklusiver zu gestalten. Mit dem neuen Schwerpunkt des Projekts „FairWeg“ möchte die Lokale Agenda 21 einen Schritt in die richtige Richtung gehen und freut sich, die Stadt Trier gemeinsam mit Euch inklusiver zu machen.

Nachhaltig fairanstalten in Trier und Region.
Leitfaden PDF 
Copyright © 2021 fairweg.info
usercalendar-fullmagnifiercrossmenuarrow-left-circlearrow-right-circle