Offener Brief an Landespolitik: Initiativen fordern landesweite Awareness-Strukturen bei Veranstaltungen in Rheinland-Pfalz

von Johannes
19. Februar 2026

Awareness bezeichnet im sozialen Kontext eine Haltung, die aktiv gegen Diskriminierung, (sexualisierte) Gewalt und Machtmissbrauch wirkt, um respektvolle Räume zu schaffen. Sie fördert konsensbasiertes Handeln, parteiliche Unterstützung für Betroffene und Prävention. Awareness-Teams sind oft auf Veranstaltungen oder in Institutionen tätig (Google KI). Wir von der Lokalen Agenda setzen uns aktiv für die Ziele der Awareness-Arbeit ein. Wir arbeiten täglich daran Menschen zusammenzubringen, sei es auf Festen, bei Quiz-Abenden oder bei Workshops. Ein zentraler Bestandteil dieser Arbeit ist es, sich immer wieder auf neue Situationen und Menschen einzustellen und ein inklusiveres Miteinander für alle zu ermöglichen. Das sehen nicht nur wir so, sondern auch das Team von musicRLPwomen. Sie organisierten im Herbst 2025 vier Vernetzungs-Treffen in Mainz, Kaiserslautern, Koblenz und Trier. Gemeinsam mit anderen Akteur:innen aus  Awareness-Arbeit, Veranstaltungswesen, Kommunen und Verwaltungen sowie Expert:innen aus Gewaltschutz und Präventionsarbeit wurden bestehende Strukturen sichtbar gemacht, regionale Unterschiede erfasst und konkrete Bedarfe benannt. Das Ergebnis: Es gibt noch viel zu tun. Als Ausdruck dessen und um einen ersten Schritt zu gehen wurde ein offener Brief formuliert. Die Idee des inklusiven Miteinander hängt zentral von offenen Kommunikationswegen und Awareness-Strukturen ab, weshalb wir uns an diesem offenen Brief und den damit verbundenen Handlungszielen beteiligen:

Pressemitteilung, 19.02.2025

Rheinland-Pfalz. Mit einem offenen Brief wenden sich über 30 Fachakteur*innen und Initiativen aus Awareness-Arbeit, Veranstaltungswesen, Prävention und Gewaltschutz an die Politik und Verwaltung in Rheinland-Pfalz und geben konkrete Handlungsempfehlungen an die Landespolitik. Darunter unter anderem der 1. FC Kaiserslautern und die I-Motion GmbH, die Veranstalter des NATURE ONE Festivals.  Ihr gemeinsames Anliegen: der gezielte Aufbau und Ausbau landesweiter Awareness-Strukturen bei öffentlichen und kulturellen Veranstaltungen.

Rheinland-Pfalz gilt als Land der Volksfeste, Festivals und kulturellen Begegnungsorte. Diese Räume seien zentrale Orte gesellschaftlicher Teilhabe, so die Unterzeichnenden des Briefes. Damit sie für alle Menschen sicher nutzbar bleiben, brauche es verbindliche und verlässlich finanzierte Awareness-Strukturen. Awareness-Arbeit zielt darauf ab, Menschen vor sexualisierter Gewalt, Diskriminierung und Grenzüberschreitungen zu schützen, Betroffene zu stärken und Übergriffen präventiv entgegenzuwirken. Dies stärkt auch die Attraktivität des Kulturstandorts Rheinland-Pfalz. Das Fazit des offenen Briefes: Im Land gibt es großes Engagement und fachliche Expertise, jedoch keine landesweit koordinierte, nachhaltig finanzierte Struktur. Während einzelne Städte bereits Leitfäden oder Pilotprojekte entwickelt haben, fehlen in anderen Regionen Awareness-Angebote vollständig. Häufig basiert die Arbeit auf Ehrenamt oder kurzfristiger Projektförderung – mit entsprechenden Qualitäts- und Belastungsproblemen.

Awareness als Teil bestehender gesetzlicher Verpflichtungen

Die Initiativen betonen, dass es nicht um zusätzliche bürokratische Hürden gehe, sondern um die konsequente Umsetzung bestehender gesetzlicher Grundlagen. Bundesweite Regelungen wie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verpflichten bereits zum Schutz vor Diskriminierung. Awareness-Konzepte seien ein zentrales Instrument, um diesen Anspruch im Veranstaltungs- und Kulturbereich praktisch umzusetzen. Zugleich berühre Awareness zentrale landespolitische Ziele: Gleichstellung, Gewaltschutz, Demokratieförderung, Gesundheitsprävention sowie die Stärkung von Kultur, Tourismus und Nachtökonomie.

Der offene Brief formuliert fünf zentrale Empfehlungen an die Landespolitik, darunter:

  1. den Aufbau einer landesweiten Koordinierungs- oder Fachstelle,
  2. dauerhafte Förderprogramme für professionelle Awareness-Strukturen,
  3. flächendeckende, qualitätsgesicherte Schulungsangebote,
  4. die enge Verzahnung mit bestehenden Gewaltschutz- und Präventionsstrukturen,
  5. sowie die verbindliche Verankerung von Awareness in Sicherheits- und Veranstaltungskonzepten.

2025 hat das Netzwerk musicRLPwomen* ein Projekt zum Aus- und Aufbau von Awareness-Strukturen auf Veranstaltungen in Rheinland-Pfalz initiiert. Teil davon waren sowohl vier regionale Treffen in Mainz, Kaiserslautern, Trier und Koblenz sowie digitale Workshops zum Thema Awareness für Veranstaltende. Beteiligt waren Fachstellen, Kommunen, Veranstaltende sowie Expert*innen aus Präventions- und Gewaltschutzarbeit. Hierbei wurde neben dem Vernetzungsangebot auch eine Bestandsaufnahme geschaffen, die als Grundlage für die Konzeption des offenen Briefes diente. Gefördert wurde das Projekt von der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur.  

Kontakt:

Jana Meurer / Netzwerkkoordinatorin musicRLPwomen*

jana@musicrlpwomen.de

0261 4090930

0151 29530696

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