Umfrage zur Barrierefreiheit auf Veranstaltungen in Trier

Das Projekt „FairWeg- Fairanstalten für alle!“ der Lokalen Agenda 21 Trier setzt sich aktuell für barrierearmes Veranstalten in Trier ein. Gegen Ende letzten Jahres hat das FairWeg-Team daher eine Umfrage zu Barrierefreiheit auf Veranstaltungen in Trier gestartet. Dadurch sollen die Eindrücke und Erfahrungen der Personen gesammelt werden, die regelmäßig durch unterschiedlichste Barrieren von Veranstaltungen ausgeschlossen sind oder deren Teilnahme dadurch erschwert wird. Wie sieht es in Trier aus? Wo liegen die Probleme und Hürden? Was läuft schon gut? Nur durch persönliche Erfahrungen wird klar, wo angesetzt werden muss, welche Probleme angegangen werden müssen und bei wem man sich vielleicht eine Scheibe abschneiden kann bezüglich der Barrierefreiheit.

Die Zusammenarbeit mit dem Club Aktiv, der Lebenshilfe Trier und dem Behindertenbeirat Trier war bei der Verbreitung der Umfrage sehr hilfreich. Es wurden viele Menschen erreicht, die daran interessiert sind, dass sich die Veranstaltungs- und Kulturszene in Trier weiterentwickelt. Die Rückmeldungen, Erfahrungen und Eindrücke möchten wir euch natürlich nicht vorenthalten. Daher haben wir hier für euch zusammengefasst, wie es denn um die Barrierefreiheit in der Trierer Veranstaltungslandschaft steht.

Wer hat an der Umfrage teilgenommen?

Zunächst einmal zu den Teilnehmenden: Die Teilnehmenden der Umfrage haben selbst eine Behinderung, begegnen in ihrem Leben also regelmäßig Barrieren und Strukturen, die nicht für sie geschaffen sind. Viele werden durch Begleitpersonen in Form einer Assistenz oder einem Familienmitglied auf Veranstaltungen begleitet. Von jung bis alt war alles dabei, wodurch Eindrücke unterschiedlicher Generationen und somit auch unterschiedlichster Veranstaltungen gesammelt werden konnten. Die verschiedensten Veranstaltungsarten waren vertreten: von Theater-, Museumsbesuchen und Lesungen bis zu Stadtfesten, Partys und Sportveranstaltungen. Es wurden daher auch viele verschiedene Veranstaltungsorte in Trier beleuchtet. Große, bekannte Veranstaltungsorte wie die Arena, die Europahalle, die TUFA, das Theater, der Messepark, der Mergener Hof und viele weitere wurden von einem Großteil der Befragten mindestens einmal besucht. Aber auch Erfahrungen zu Stadtfesten und dem Weihnachtsmarkt wurden geteilt. Spannend für Veranstaltende könnte hier sein, dass neben Social Media und den jeweiligen Internetseiten, die Presse, also der Volksfreund, die Rathauszeitung und generell Printmedien immer noch aktiv genutzt werden, um auf Veranstaltungen aufmerksam zu werden.

Welche Probleme werden sichtbar?

Trotz des breit gefächerten Veranstaltungsspektrum, stachen sechs Probleme bei der Auswertung der Umfragen besonders heraus: Ein ganz wichtiges Thema sind Toiletten, außerdem Eintrittspreise, Sitzplätze für Menschen mit Behinderung, die fehlende Rücksichtnahme anderer Teilnehmender, die Informationslage zur Barrierefreiheit der Veranstaltungen und die Anfahrt zu Veranstaltungen, also der ÖPNV in Trier.

Zur Toilettensituation: Es gibt tatsächlich immer noch Veranstaltungsorte, die keine Toilette für Menschen mit Behinderung haben. Gibt es Behindertentoiletten, ist das Problem mit den Toiletten allerdings noch nicht gelöst. Teilnehmende der Umfrage berichten von schlechter Zugänglichkeit zu den Toiletten, weiten Wegen (weiterer Weg als andere Toiletten) und Toiletten die nicht wirklich auf die Bedürfnisse der Menschen angepasst sind. Die Toiletten sind zu niedrig, es fehlen Haltegriffe oder das Waschbecken ist zu hoch für Rollstuhlfahrer:innen. Ein weiteres Problem scheint die Hygiene auf den Toiletten zu sein. Mehrfach wird der schlechte Zustand in dem sich die Toiletten befinden, bemängelt.

Eintrittspreise: Für viele Menschen mit Behinderung sind außerdem Eintrittspreise ein Ausschlusskriterium. Bei einem Theater- oder auch Konzertbesuch mit allem Drum und Dran sind ganz schnell mal 20€ – 30€ weg, was für viele Leser:innen vielleicht nicht viel sein mag, für Menschen mit geringem bis keinem Einkommen oder Menschen, die Grundsicherung beziehen, ist das allerdings ein Preis der den Rahmen sprengt. Das ist natürlich nicht nur für Menschen mit Behinderung problematisch. Trotzdem ist hier hervorzuheben, dass Menschen mit Behinderung statistisch gesehen einem größeren Armutsrisiko ausgesetzt sind und im Durchschnitt ein geringeres Einkommen beziehen, als Menschen ohne Behinderung. Außerdem beziehen Haushalte mit Menschen mit Behinderung doppelt so häufig Leistungen der Grundsicherung. Es ist daher wichtig hervorzuheben, dass hohe Eintrittspreise für viele Menschen mit Behinderung zusätzlich im besonderen Maße eine Barriere darstellen.

Sitzplätze: Wir alle haben auf Konzerten und anderen Veranstaltungen schon die extra Tribünen für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen gesehen. Es gibt also durchaus Platz für Menschen, die in ihrer Mobilität behindert sind. Kritisiert wird von Teilnehmenden die Lage dieser „Extraplätze“. Oft ganz hinten, oder ganz am Rand, wo die Plätze niemanden stören, dürfen auch Rollstuhlfahrer:innen und deren Begleitpersonen Veranstaltungen miterleben. Von der Show bekommt man dann allerdings weniger mit. Von gleichberechtigter Teilhabe kann da nicht die Rede sein. Trotzdem ist Teilnahme hier generell möglich. Das ist nicht überall der Fall, es gibt auch Veranstaltungsorte die keine Plätze für Rollstuhlfahrer:innen haben (oder die aufgrund des nicht barrierefreien Eingang oder des fehlenden Aufzugs keine brauchen).

Rücksichtnahme anderer Teilnehmender: Ein häufig genanntes Problem auf Veranstaltungen, scheint auch die mangelnde Rücksichtnahme der Teilnehmenden zu sein. Es wird von beleidigendem Verhalten und großen Menschenmassen, die keinen Platz für Rollstuhlfahrer:innen beim Überqueren des Veranstaltungsgeländes oder -raums machen, berichtet. Auf das Verhalten der Teilnehmenden haben Veranstaltende natürlich keinen direkten Einfluss. Es gibt aber trotzdem Möglichkeiten, die einen sicheren Veranstaltungsbesuch begünstigen. Beispielsweise Awarenesskonzepte und -teams: Betroffenen von diskriminierendem Verhalten kann dadurch geholfen werden und die Präsenz des Konzepts (z.B. über Plakate) ermöglicht vielleicht sogar ein Überdenken der Verhaltensweisen. Übergriffiges und diskriminierendes Verhalten passiert leider trotzdem. Das Mindeste was getan werden kann, ist, dass Betroffene sich durch Awareness-Teams nicht so alleine mit der Situation fühlen. Mehr zu Awareness-Konzepten findet Ihr auch in unserem Beitrag dazu.

Informationen zur Barrierefreiheit: Es wird auch häufig erwähnt, dass nicht immer ganz klar ist, wie es um die Barrierefreiheit auf Veranstaltungen steht. Gibt es Behindertentoiletten? Sind alle Bereiche der Veranstaltung für Rollstuhlfahrer:innen erreichbar? Sind sonst alle Rahmenbedingungen gegeben: Rampen, breite Türrahmen, Behindertenparkplätze? All das müssen Menschen mit Behinderung scheinbar immer erst erfragen, bevor sie eine Veranstaltung besuchen. Informationen auf der Bewerbung oder den Internetseiten der Räumlichkeiten sucht man noch zu häufig vergeblich.

Anfahrt: Die Anfahrt mit dem ÖPNV wird auch mehrfach kritisiert. Überfüllte Busse (und demnach wenig bis kein Platz für Rollstühle und Rollatoren) und nicht bzw. nur teilweise barrierefreie Bushaltestellen erschweren die Anfahrt zu Veranstaltungen. Es wird daher auf andere Möglichkeiten zurückgegriffen, wie Fahrdienste und Taxen, was finanziell wiederum für viele Menschen nicht möglich ist.

Weitere Probleme die genannt wurden, sind die Orientierung auf dem Veranstaltungsgelände, eine schlechte Akustik (was vor allem für Menschen mit Hörschädigung schwierig ist), Uneinigkeit über die Kosten für Begleitpersonen, ein Mangel an Behindertenparkplätzen und zu steile oder fehlende Rampen. Die Liste ist lang und es ist sicherlich nicht alles mit Einfachheit zu lösen, aber durch das Kommunizieren der Probleme, ist ein erster Schritt getan, Sichtbarkeit für das Thema Inklusion im Veranstaltungsbereich zu schaffen und diese Probleme anzugehen.

Ein gutes Beispiel hierfür ist das Stadion der Eintracht Trier: Auf die Kritik seitens des inklusiven Medienteams Tacheles an fehlenden überdachten Rollstuhlplätzen reagierten die Fans und auch die Stadt. Dort gibt es nun fünf überdachte Rollstuhlplätze in der ersten Reihe!

Was läuft schon gut auf Veranstaltungen in Trier?

Es wurde nicht nur nach Problemen und Barrieren gefragt, sondern auch danach, welche Veranstaltungen in Bezug auf Barrierefreiheit bisher positiv aufgefallen sind. Auch hier kam einiges zusammen. Es wurde erwähnt, dass Porta Hoch3 sehr gut organisiert ist und auch Erfahrungen in der Arena wurden häufig positiv bewertet. Die Arena scheint in Dingen räumlicher Barrierefreiheit gut aufgestellt zu sein. Der Bereich für die Rollstuhlplätze bietet außerdem eine gute Sicht auf die Bühne. Auch die Räumlichkeiten der Kinos sind wohl mit dem Rollstuhl gut befahrbar. Stadtfeste wie das Zurlaubener oder der Kulturhafen wurden ebenfalls als Positivbeispiele genannt; Toiletten für Menschen mit Behinderung sind mit dem Euroschlüssel erreichbar und das Gelände mit dem Rollstuhl problemlos befahrbar.

Was wünschen sich die Teilnehmenden der Umfrage?

Vielen Teilnehmenden scheint es wichtig zu sein, als Veranstaltungsteilnehmer:in wahrgenommen zu werden. Das fängt schon bei der Planung eines Events an. Das Konzept und die Bewerbung der Veranstaltungen sollten genauso auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung ausgerichtet sein, wie für Menschen ohne eine Behinderung. Was bringt uns das Datum der Veranstaltung, wenn der Ort fehlt? Genauso wenig bringt Rollstuhlfahrer:innen eine Bewerbung, die nicht beinhaltet, ob der Eingang barrierefrei ist, oder es eine Behindertentoilette gibt. Diesbezüglich wird erwähnt, dass nicht nur die Teilnahme an sich wichtig ist, sondern auch die möglichst selbstständige Teilnahme. Außerdem äußern viele Teilnehmende den Wunsch nach mehr Rücksichtnahme und einem Miteinander auf Augenhöhe auf Veranstaltungen. Es liegt also neben den strukturellen Veränderungen, die es unbedingt braucht, auch an uns allen, behindertenfeindliche Strukturen und Denkmuster zu hinterfragen, um ein solidarisches Miteinander zu ermöglichen.

Vor zwei Wochen startete das Agenda-Kino für das Jahr 2023. Auftaktfilm war diesmal „Die Kinder der Utopie“ von Hubertus Siegert. Schon seit fast zwanzig Jahren ist das Agenda-Kino der Lokalen Agenda 21 in Kooperation mit dem Broadway Filmtheater und der Heinrich-Böll-Stiftung RLP eine feste Größe in Trier. Das FairWeg-Team der Lokalen Agenda 21 freut sich daher Filmpate für diesen Film gewesen zu sein.

Knapp 40 Besucher:innen kamen zusammen, um gemeinsam „Die Kinder der Utopie“ anzuschauen, aber auch um darüber zu diskutieren und Gedanken zum Film und dem Thema allgemein zu äußern. Der Film porträtiert sechs junge Erwachsene, die sich alle aus ihrer Grundschulzeit kennen, sie haben gemeinsam eine Inklusionsklasse in Berlin besucht. Vor 12 Jahren begleitete der Dokumentarfilm „Klassenleben“, ebenfalls von Hubertus Siegert, die Kinder dieser Inklusionsklasse und gab Einblicke in deren Schulalltag. „Die Kinder der Utopie“ zeigt nun sechs der Kinder im Erwachsenenalter. Gemeinsam blicken sie zurück auf ihre Schulzeit. Auf eine ungestellte Art und Weise wird gezeigt, wie sich die jungen Erwachsenen weiterentwickelt haben und wo sie heute im Leben stehen. Sie schwelgen aber auch in Erinnerungen und sprechen über ihre gemeinsamen Erfahrungen und Eindrücke. Der Film beleuchtet die Perspektive der Kinder und jungen Erwachsenen die Teil einer Inklusionsklasse waren, ohne den Anspruch das Konzept durch Expert:innen zu bewerten. Der Fokus liegt hier auf den Menschen, die durch ihre gemeinsame Zeit in einer Inklusionsklasse geprägt wurden. Zum Nachgespräch war neben dem FairWeg-Team auch Sophie von Leoprechting vom Palais e.V. in Trier vor Ort. Von Leoprechting ist systemische Inklusionshilfe und für die Inklusionshilfen an einigen Schulen in Trier zuständig. Viele Interessierte sind im Anschluss an den Film zum Nachgespräch geblieben. Es wurde natürlich über den Film, aber auch über Inklusion an Trierer Schulen und die Perspektive der Pädagog:innen, die in dem Feld tätig sind, gesprochen.

Auch in den nächsten Monaten geht es im Agenda-Kino spannend weiter. Insgesamt werden neun Filme gezeigt, darunter „The North Drift – Plastik in Strömen“ von Steffen Krones, „YALDA“ von Massoud Bakhshi und „RISE UP“ eine Produktion von leftvision und Freischwimmer Film. Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr feiert auch das Agenda Kino Kids im Rahmen des Zukunfts-Diploms für Kinder ein Revival. Das ganze Programm für das erste Halbjahr 2023 findet ihr hier.

Zu Beginn des neuen Jahres, wollen wir die Zeit nutzen, um auf eines unserer Highlights des vergangenen Jahres zurückzublicken: Am dritten Dezember durften wir den einzigen ersten Bundesligisten in Trier, die Doneck Dolphins, in ihrer Heimhalle, der Mäusheckerhalle, besuchen. Und hatten die Gelegenheit mehr zum Sport Rollstuhl-Basketball an sich und dem Team der Dolphins zu lernen, um im Anschluss beim Spiel gegen den BBC Münsterland mitzufiebern.

Bereits seit 1985 wird im Verein Rollstuhl-Basketball gespielt. Gegründet wurde der Verein durch Otmar Paßiwan, der bis heute noch der erste Vorsitzende des Vereins ist. Und keine zehn Jahre nach der Gründung gelang den Dolphins der Aufstieg in die erste Bundesliga, wo sie bis heute (bis auf eine kurze Pause in der zweiten Bundesliga von 2001 bis 2003) noch platziert sind. Dirk Paßiwan, Sohn des Mitgründers, ist Trainer und Spieler in der Mannschaft und zusätzlich noch Trainer der deutschen Nationalmannschaft der Frauen. Also bis heute ein erfolgreicher Verein hier bei uns in der Region.

Fotografin: Emilie Haag

Auch die Jugendarbeit kommt bei den Dolphins nicht zu kurz: Eine eigene Jugendmannschaft gibt es seit 1997, die bis heute trainiert. Und auch die Bildungsarbeit kommt nicht zu kurz: Spieler:innen fahren an Schulen, um dort mit Kindern gemeinsam Basketball zu spielen.
Dabei ist die Grundlage des Vereins die menschliche Nähe, die man spätestens beim Betreten der Halle spürt. Egal ob vor, während oder nach dem Spiel - hier helfen sich alle gegenseitig. Ob die ehrenamtlichen Eltern von Spieler:innen, die den Ticket- und Getränkeverkauf übernehmen oder die Spieler:innen, die sich gegenseitig beim Aufbau unterstützen.

Das Besondere am Rollstuhl-Basketball: Hier spielen alle miteinander auf dem Platz. Unabhängig von Gender oder Grad der Behinderung können alle, auch Menschen ohne eine körperliche Behinderung, miteinander spielen. Für einen Ausgleich zwischen den Teams sorgt dabei ein Punktesystem, wobei jeder:m Spieler:in je nach Grad der Behinderung Punkte zugeordnet werden. Menschen mit einem hohen Grad der Behinderung kriegen einen Punkt und mit einem niedrigen oder keiner Behinderung den Höchstpunktestand von 4,5. Insgesamt darf ein Team, dass aus fünf Spieler:innen besteht, nicht mehr als 14 Punkte haben.

Im Kader der Dolphins spielen insgesamt 13 Spieler:innen zusammen, wovon die Hälfte Vollzeit und die andere Hälfte nebenher arbeitet. Dabei ist der Trainingsplan für alle gleich, mit bis zu fünfmal die Woche Training plus Fitnessstudio. Das intensive Training zeigt sich auch im Spielerfolg der Dolphins: Auch wenn diese Saison immer noch besser laufen könnte, wurde der Beinahe-Abstieg der vorherigen Saison erfolgreich verhindert. Auch wenn die Dolphins das Spiel bei unserem Besuch gegen den BBC Münsterland leider mit 50 zu 62 verloren, gewannen sie doch im letzten Heimspiel des Jahres 2022 gegen die Hot Rolling Bears Essen und konnten so siegessicher in die Weihnachtspause gehen.

Wir im FairWeg-Team sind angefixt vom Rollstuhl-Basketball. Die eingeschweißte Fan-Gemeinde sorgt für eine aufgeladene Stimmung während der Spiele, während die Dolphins quasi über das Feld fliegen. Schon bereits die rasante Einfahrt der Spieler:innen und die Begrüßung des gegnerischen Teams sehen beeindruckend aus. Ab Anpfiff des Spiels erhöht sich die Geschwindigkeit und Spieler:innen sowie Ball rasen quasi nur so über das Feld. Dabei fliegt nicht nur der Ball über das Feld, sondern teilweise auch Spieler:innen bei besonders intensiven Spielzügen zu Boden. Genau dann merkt man aber die allgegenwärtige menschliche Nähe: Egal ob gegnerische Spieler:innen oder aus dem eigenen Team, es wird sich gegenseitig beim Aufstehen wieder geholfen. Denn Rollstuhl-Basketball ist „im Prinzip der inklusivste Sport, den es gibt!“ wie Miriam Maile sagt, die Medienzuständige des Vereins.

Und wer das nächste Spiel der Doneck Dolphins nicht verpassen will, kann entweder in die Halle zum nächsten Heimspiel am 14. Januar ab 18:00 Uhr gegen den RSV Lahn-Dill kommen oder sich den Livestream im OK54 ansehen. Wir als Team werden die Saison weiterverfolgen und auf die Siege der Dolphins hoffen, denn wir sind begeistert von diesem Sport und vor allem von den Dolphins. Nur durch das Aufbrechen der Verbesonderung, kann Rollstuhl-Basketball als das wahrgenommen werden, was es ist: eine Sportart. Und eine ziemliche erfolgreiche, denn schließlich gibt es nur einen Erstligisten in Trier und das sind die Doneck Dolphins.

Über den Play-Button könnt ihr euch den Beitrag vorlesen lassen!

Im Projekt Agenda-Kino zeigt die Lokale Agenda 21 Trier gemeinsam im Kooperation mit dem broadway filmtheater und der Heinrich-Böll-Stiftung RLP Filme, die über den eigenen Tellerrand hinnaus blicken und unter die Haut gehen. Im Projekt FairWeg dürfen wir diese Jahr den Auftaktfilm am 18. Januar zeigen: Die Dokumentation "Kinder der Utopie" von Hubertus Siegert gibt Einblicke in Inkusion in deutschen Schulen. Als Kooperationspartner konnten wir den Behindertenbeirat der Stadt Trier für das Nachgespräch gewinnen.

Der Film "Kinder der Utopie" zeigt das Wiedersehen von sechs jungen Erwachsenen, die gemeinsam in einer Inklussionsklasse während der Grundschulzeit waren. Sie besuchten die Fläming-Grundschule in Berlin, die zu der Zeit mit eine der ersten Inklusionsklassen hatte. Hier wurden Kinder mit und ohne Behinderung unterrichtet und das auch unabhängig vom Grad der Behinderung.

Bereits 2004 wurde die Klasse mit Kamera begleitet für den Film Klassenleben. Gemeinsam blicken sie in "Kinder der Utopie" zurück auf die gemeinsame Schulzeit und geben Einblicke in ihr heutiges Leben: Luca ist leidenschaftliche Hobbyfotografin und studiert Umweltwissenschaften; Marvin jobbt zu seinem Ärger in einer Behindertenwerkstatt; Dennis ist auf dem besten Weg, ein Star am Musical-Himmel zu werden; Johanna lernt mit Entschlossenheit Altenpflegerin; Christian befindet sich seit seinem schwulen Coming-Out in einer Selbstfindungsphase;  Natalie will ihr Praktikum als Küchenhilfe in eine Festanstellung wandeln.

Der Film startet um 19.30 Uhr im broadway filmtheater. Nach der Filmvorführung steht der Behindertenbeirat und wir vom FairWeg-Team als Gesprächspartner:innen bereit. Tickets können hier bereits vorbestellt werden.

Hier könnt ihr euch den Beitrag auch anhören. Viel Spaß damit!

Der Beitrag kommt krankheitsbedingt etwas zeitverzögert. Der internationale Aktionstag zur Beseitigung patriachaler Gewalt auf den wir uns hier im Text beziehen ist zwar schon ein wenig her, das Thema verdient allerdings das ganze Jahr über Aufmerksamkeit!

Am 25. November fand wie jedes Jahr der internationale Aktionstag zur Beseitigung patriarchaler Gewalt statt. Der Tag, oft auch „Orange Day“ oder „Tag gegen Gewalt an Frauen“ genannt, macht auf die alltägliche Gewalt gegen FINTA* (Frauen, intersex-, nicht-binär-, trans- und agender Personen) aufmerksam. Gewalt die überall passiert: Zu Hause, am Arbeitsplatz, in der Schule, an der Universität aber auch auf Veranstaltungen. Auch die Bundesregierung hat sich 2018 dazu verpflichtet, die Umsetzung der Istanbul Konvention voranzutreiben und patriarchaler Gewalt aktiv entgegenzutreten.

Geschlechtsbezogene Gewalt ist ein weltweites Problem und ist in allen Bevölkerungsschichten zu finden. Auch in Deutschland ist jede dritte Frau mindestens einmal im Leben Opfer von Gewalt. Genau lässt sich das aber kaum sagen, da viele Fälle von Gewalt aus den verschiedensten Gründen nicht gemeldet werden. Ein Grund ist auch oft ein zu enges Verständnis von Gewalt. Fälschlicherweise wird sehr oft nur körperliche Gewalt als Gewalt wahrgenommen. Auch sexualisierte, psychische (also seelische ), soziale, digitale und wirtschaftliche Gewalt ist für viele Menschen Alltag. Zu psychischer Gewalt zählen beispielsweise auch Beschimpfungen, Abwertung, Drohung, Nötigung und Belästigung. Soziale Gewalt ist meist dadurch geprägt, dass die betroffene Person isoliert und in ein Abhängigkeitsverhältnis gedrängt wird. Auch eine finanzielle Abhängigkeit von Täter:innen zeigt sich häufig im Kontext von Gewalt. Das Ziel dieser Gewalt ist allerdings meist dasselbe: Es geht darum die andere Person zu schwächen, zu verunsichern, aus dem Gleichgewicht zu bringen, zu kontrollieren und das aufgrund ihres Geschlechts.

Was ist die Istanbulkonvention?

Die Istanbul-Konvention ist eine, seit 2011 bestehende Europaratskonvention zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Ziel der Konvention ist die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter in den Verfassungen und Rechtssystemen, sowie die Umsetzung von Opferschutz und Prävention von geschlechtsbezogener Gewalt der Unterzeichnerstaaten. Sie verpflichten sich offensiv gegen alle Formen der geschlechtsbezogene Gewalt vorzugehen.
Hier findet ihr die Instanbul Konvention in Leichter Sprache.

Woher kommt der Aktionstag eigentlich?

Am 25. November 1960 wurden die drei Mirabel-Schwestern Minerva, Patria und Maria Teresa, politische Aktivistinnen aus der Dominikanischen Republik, auf Befehl des dominikanischen Diktators Rafael Trujillo ermordet. Sie waren Teil einer revolutionären kommunistischen Gruppierung Agrupación política 14 de junio die den Sturz des Diktators planten. 21 Jahre später wurde der Tag, von Aktivistinnen auf den Feminist Encuentros in Lateinamerika und der Karibik zum Aktionstag der Beendigung der Gewalt an Frauen erklärt. Seit 1991 macht auch die UN unter der Kampagne „Orange The World“ am 25. November auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam. Auch hier in Deutschland gibt es jedes Jahr an diesem Tag Demonstrationen und Aktionen, die auf patriarchale Gewalt aufmerksam machen wollen.

Besonders stark betroffen sind Frauen und Mädchen mit Behinderung. Sie erfahren fast doppelt so häufig Gewalt wie Frauen und Mädchen ohne eine Behinderung. Und das in allen Lebenslagen: zu Hause, in Einrichtungen der Behindertenhilfe, in der Pflege, aber auch im öffentlichen Leben. Dazu kommt die tägliche strukturelle Gewalt, in Form von Diskriminierung durch Regeln, Gesetze, Vorgaben, die sich nicht weiterentwickeln ,weil es eben schon immer so war’. Oder durch eine Umwelt die nur auf die Bedürfnisse von Menschen ohne eine Behinderung ausgerichtet ist. Oft zeigt sich dies auch durch übergriffiges Verhalten und Distanzlosigkeit gegenüber Menschen mit einer Behinderung ausgehend von Fremden aber auch dem näheren Umfeld. Privatsphäre und Selbstbestimmung wird dadurch vielen Menschen verwehrt, die ein gleiches Recht darauf haben, wie alle Anderen auch.

Aber was bedeutet das für die Veranstaltungs- und Kulturszene?

Grenzüberschreitungen und Übergriffe passieren, auch oder besser gesagt besonders auf Veranstaltungen. Es liegt nicht immer in der Macht der Veranstaltenden solche Vorfälle zu verhindern. Daher ist es umso wichtiger, dass es gut konzipierte Awareness-Konzepte und -Teams gibt, die im Fall zur Stelle sind. Aber was machen Awareness-Konzepte und -Teams überhaupt? Zum einen stellen gut durchdachte Awareness-Konzepte klare Verhaltensregeln auf, die sowohl dem Personal, als auch allen Besuchenden klar kommuniziert werden. Das Personal sollte dabei geschult und für die strukturelle Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, der Herkunft oder einer Behinderung sensibilisiert sein. Die Besucher:innen sollen beispielsweise in Form von Plakaten von dem Hilfsangebot erfahren, damit die Hilfe auch in Anspruch genommen werden kann. Zudem sollte es neben dem normalen Personal ein sogenanntes Awareness-Team geben, an das sich Betroffene wenden können. Wichtig ist hier eine parteiliche Funktion, also volle Solidarität mit Betroffenen.


Awareness

Awareness kommt aus dem Englischen und bedeutet Schaffung von Bewusstsein also Aufmerksamkeit. Hier ist damit gemeint, dass ein Bewusstsein über die Gefahren durch die Diskriminierung aufgrund von beispielweise Behinderung oder Geschlecht herrscht.

Das Schaffen einer sicheren Umgebung, unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Behinderung ist essentiell für eine inklusive Veranstaltung. Daher ist es wichtig Aufmerksamkeit für die besonders gefährdete Situation von FINTA*-Personen mit einer Behinderung und auch People of Colour zu schaffen, es ist aber vor allem notwendig aktiv zu werden. Es müssen Strukturen geschaffen werden, wodurch Übergriffe minimiert werden und Betroffenen geholfen werden kann. Für Veranstaltende heißt das also, sich über mögliche Gefahren aufzuklären, diese Ernst zu nehmen und ein Konzept zu entwickeln, dass allen Teilnehmenden eine sichere Veranstaltung ermöglicht. Die Veranstaltenden stehen hier nicht alleine vor diesem Problem, es kann sich dafür natürlich auch Hilfe gesucht werden: Hier in Trier wie schon gesagt beispielsweise bei der Feministischen Vernetzung. Auch wir als FairWeg-Team sehen Awareness-Konzepte und -Teams auf Veranstaltungen als wichtigen Schritt für eine sichere Veranstaltungsbranche, denn wir wollen Fairanstaltungen für Alle!


Awareness-Projekt der Feministischen Vernetzung

Die Feministische Vernetzung hat in Kooperation mit dem Frauennotruf Trier beispielsweise dahingehend gehandelt. Mit ihrem Awareness Projekt „Save The Night – Awareness im Nachtleben von Trier“ wollen Sie der sexualisierten Gewalt im Trierer Nachleben entgegentreten und Feiern somit für alle sicherer machen. Das Angebot umfasst Schulungen für Ehrenamtliche und alle, die im Nachtleben arbeiten. Außerdem besteht die Möglichkeit Awareness-Teams für Veranstaltungen zu buchen. Mehr Infos dazu findet ihr hier.

Ihr seid selbst betroffen oder kennt eine Person die Unterstützung braucht?

Über den Play-Button könnt ihr euch den Text auch vorlesen lassen!

Wir alle kennen das Problem: Einkaufsbummel in der Stadt, ein paar Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt – und menschliche Bedürfnisse, die keinen Aufschub vertragen. Öffentliche Toiletten zu finden ist oft gar nicht mal so leicht. Noch schwieriger wird es aber, wenn man eine Behinderung hat und beispielsweise in Sachen Mobilität eingeschränkt ist.

Wer auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen ist, muss zwangsläufig vorausplanen und die Toilettensituation checken. Vielleicht ist euch dabei schon mal aufgefallen, dass barrierefreie Toiletten oft abgeschlossen und nur mit einem Schlüssel zu öffnen sind. In vielen Fällen sind das sogenannte Eurozylinderschlösser, die mit einem speziellen Euroschlüssel geöffnet werden können. Noch nie gehört? Dann hier ein kleiner Wissens-Kick in Sachen Toilettenpause.

Worum geht’s?

Das Euroschlüssel-System bietet seit 1986 ein einheitliches Schließsystem für barrierefreie Anlagen, das mittlerweile flächendeckend in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu finden ist. Alle, die einen solchen Euroschlüssel besitzen, können diese Anlagen nutzen – meist handelt es sich um Toiletten, teils aber auch um Aufzüge oder barrierefreie Gebäudezugänge. Laut dem Darmstädter Verein Club Behinderter und ihrer Freunde e.V. (kurz CBF Darmstadt) sind es mittlerweile über 12.000 Schlösser europaweit, die mit dem Schlüssel geöffnet werden können.

Angefangen hat das Ganze in den 1980er-Jahren, als die Situation in puncto Behindertentoiletten noch deutlich prekärer war. Wenn es öffentliche barrierefrei zugängliche Toiletten gab, wurden diese oft Opfer von Vandalismus und Verschmutzung oder mussten erst umständlich von jemanden aufgesperrt werden – Selbstbestimmung und Diskretion sehen anders aus. Vertreter:innen des Vereins machten sich damals für eine selbstbestimmte und flächendeckende Lösung stark; die Idee für einen Generalschlüssel, der nur in die richtigen Hände abgegeben wird, war geboren. Kurz darauf führte eine große Betreiberfirma von Autobahnraststätten in Deutschland das System flächendeckend ein.

Toiletten, die auf Bedarfe von Menschen mit eingeschränkter Mobilität angepasst sind, sind leider immer noch relativ selten.

Wer bekommt so einen Schlüssel?

Der Euroschlüssel (im Englischen übrigens eurokey genannt) wird bewusst nur an Menschen ausgegeben, die auf behindertengerechte Toiletten oder Anlagen angewiesen sind. Dazu zählen alle Personen, die in ihrem deutschen Schwerbehindertenausweis eines der Merkzeichen aG (außergewöhnliche Gehbehinderung), B (Begleitperson), H (Hilflosigkeit), BL (blind) oder G (erheblich beeinträchtigt in der Bewegungsfähigkeit) in Kombination mit einem Grad der Behinderung von mindestens 70 aufweisen. Außerdem unmittelbar bezugsberechtigt sind Menschen mit einer schweren Mobilitätseinschränkung (etwa Rollstuhlfahrende), einem erhöhtem Hilfebedarf, Erblindung oder Multipler Sklerose. Außerdem können Personen mit einer chronischen Blasen- oder Darmerkrankung, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa den Schlüssel beantragen.

Der Schlüssel wird auch heute noch vom CBF Darmstadt ausgestellt. Dafür sendet man eine formlose, schriftliche Bestellung mit einem Nachweis der Bezugsberechtigung (etwa eine Kopie des Schwerbehindertenausweises) an den Verein und bezahlt eine geringe Schutzgebühr.

Und was ist mit Veranstaltenden?

Unser Blick in FairWeg geht natürlich immer auf inklusive Events und die Frage, wie Veranstaltende ihre Feiern oder Feste für mehr Menschen zugänglich und genießbar machen können. Da ist eine Umrüstung der eigenen, vielleicht ja schon bestehenden barrierefrei zugänglichen Toilette doch eine super Idee! Auskunft und Vertrieb von geeigneten Schließzylindern läuft über Der Euroschlüssel e.K. im nordrhein-westfälischen Bornheim. Die Firma berät und plant die geeignete Schließanlage, der Einbau kann dann durch einen Schlossereibetrieb vor Ort durchgeführt werden.

Übrigens: Die Trier Tourismus und Marketing GmbH (ttm), mit der wir 2021 gemeinsam den Leitfaden für nachhaltige Veranstaltungen herausgebracht haben, bietet auf ihrer Website eine Übersicht über behindertengerechte, öffentliche Toiletten in Trier: https://www.trier-info.de/toiletten-in-trier/oeffentliche-toiletten-behindertengerecht

Wir finden: Das Euroschlüssel-System ist ein guter und hilfreicher Ansatz für eine bessere Infrastruktur in Sachen barrierefreie Toiletten. Denn: Alle sollen auf Events in Trier eine gute Zeit haben können – auch beim Gedanken daran, wie sie den feinen Moselwein am Abend wieder loswerden!

Nachhaltig fairanstalten in Trier und Region.
Leitfaden PDF 
Copyright © 2021 fairweg.info
magnifiercrossmenu