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Wir alle kennen das Problem: Einkaufsbummel in der Stadt, ein paar Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt – und menschliche Bedürfnisse, die keinen Aufschub vertragen. Öffentliche Toiletten zu finden ist oft gar nicht mal so leicht. Noch schwieriger wird es aber, wenn man eine Behinderung hat und beispielsweise in Sachen Mobilität eingeschränkt ist.

Wer auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen ist, muss zwangsläufig vorausplanen und die Toilettensituation checken. Vielleicht ist euch dabei schon mal aufgefallen, dass barrierefreie Toiletten oft abgeschlossen und nur mit einem Schlüssel zu öffnen sind. In vielen Fällen sind das sogenannte Eurozylinderschlösser, die mit einem speziellen Euroschlüssel geöffnet werden können. Noch nie gehört? Dann hier ein kleiner Wissens-Kick in Sachen Toilettenpause.

Worum geht’s?

Das Euroschlüssel-System bietet seit 1986 ein einheitliches Schließsystem für barrierefreie Anlagen, das mittlerweile flächendeckend in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu finden ist. Alle, die einen solchen Euroschlüssel besitzen, können diese Anlagen nutzen – meist handelt es sich um Toiletten, teils aber auch um Aufzüge oder barrierefreie Gebäudezugänge. Laut dem Darmstädter Verein Club Behinderter und ihrer Freunde e.V. (kurz CBF Darmstadt) sind es mittlerweile über 12.000 Schlösser europaweit, die mit dem Schlüssel geöffnet werden können.

Angefangen hat das Ganze in den 1980er-Jahren, als die Situation in puncto Behindertentoiletten noch deutlich prekärer war. Wenn es öffentliche barrierefrei zugängliche Toiletten gab, wurden diese oft Opfer von Vandalismus und Verschmutzung oder mussten erst umständlich von jemanden aufgesperrt werden – Selbstbestimmung und Diskretion sehen anders aus. Vertreter:innen des Vereins machten sich damals für eine selbstbestimmte und flächendeckende Lösung stark; die Idee für einen Generalschlüssel, der nur in die richtigen Hände abgegeben wird, war geboren. Kurz darauf führte eine große Betreiberfirma von Autobahnraststätten in Deutschland das System flächendeckend ein.

Toiletten, die auf Bedarfe von Menschen mit eingeschränkter Mobilität angepasst sind, sind leider immer noch relativ selten.

Wer bekommt so einen Schlüssel?

Der Euroschlüssel (im Englischen übrigens eurokey genannt) wird bewusst nur an Menschen ausgegeben, die auf behindertengerechte Toiletten oder Anlagen angewiesen sind. Dazu zählen alle Personen, die in ihrem deutschen Schwerbehindertenausweis eines der Merkzeichen aG (außergewöhnliche Gehbehinderung), B (Begleitperson), H (Hilflosigkeit), BL (blind) oder G (erheblich beeinträchtigt in der Bewegungsfähigkeit) in Kombination mit einem Grad der Behinderung von mindestens 70 aufweisen. Außerdem unmittelbar bezugsberechtigt sind Menschen mit einer schweren Mobilitätseinschränkung (etwa Rollstuhlfahrende), einem erhöhtem Hilfebedarf, Erblindung oder Multipler Sklerose. Außerdem können Personen mit einer chronischen Blasen- oder Darmerkrankung, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa den Schlüssel beantragen.

Der Schlüssel wird auch heute noch vom CBF Darmstadt ausgestellt. Dafür sendet man eine formlose, schriftliche Bestellung mit einem Nachweis der Bezugsberechtigung (etwa eine Kopie des Schwerbehindertenausweises) an den Verein und bezahlt eine geringe Schutzgebühr.

Und was ist mit Veranstaltenden?

Unser Blick in FairWeg geht natürlich immer auf inklusive Events und die Frage, wie Veranstaltende ihre Feiern oder Feste für mehr Menschen zugänglich und genießbar machen können. Da ist eine Umrüstung der eigenen, vielleicht ja schon bestehenden barrierefrei zugänglichen Toilette doch eine super Idee! Auskunft und Vertrieb von geeigneten Schließzylindern läuft über Der Euroschlüssel e.K. im nordrhein-westfälischen Bornheim. Die Firma berät und plant die geeignete Schließanlage, der Einbau kann dann durch einen Schlossereibetrieb vor Ort durchgeführt werden.

Übrigens: Die Trier Tourismus und Marketing GmbH (ttm), mit der wir 2021 gemeinsam den Leitfaden für nachhaltige Veranstaltungen herausgebracht haben, bietet auf ihrer Website eine Übersicht über behindertengerechte, öffentliche Toiletten in Trier: https://www.trier-info.de/toiletten-in-trier/oeffentliche-toiletten-behindertengerecht

Wir finden: Das Euroschlüssel-System ist ein guter und hilfreicher Ansatz für eine bessere Infrastruktur in Sachen barrierefreie Toiletten. Denn: Alle sollen auf Events in Trier eine gute Zeit haben können – auch beim Gedanken daran, wie sie den feinen Moselwein am Abend wieder loswerden!

Über Gebärden-Musikvideos, nervige Erlebnisse und das Leben mit Hörschädigung

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Uns ist es im FairWeg-Team ein besonderes Anliegen, mit Menschen über Behinderung und ihre Erfahrungen, Meinungen und Ideen zu sprechen - Menschen, die sich viel besser als wir damit auskennen, weil sie selbst in irgendeiner Form damit leben. Lucas Garthe von der Bundesjugend hat unserer Svantje deshalb Rede und Antwort gestanden. Entstanden ist ein lesens- und hörenswertes Interview!

Svantje: Vielen Dank, dass du das Interview mit uns machst. Magst du dich einmal kurz vorstellen?

Lucas: Hi, ich bin Lucas Garthe, ich bin 26 Jahre alt und wohne momentan in Heidelberg. Ich habe mein Studium jetzt abgeschlossen. Ich habe Sonderpädagogik studiert, mit den Fachrichtungen Hören und geistige Entwicklung und arbeite jetzt tatsächlich gerade in einem Vertretungsvertrag an einer Hörgeschädigten-Schule. Ich bin aber auch ehrenamtlich tätig in einem Verein für junge Menschen mit Hörbehinderung. Das ist die Bundesjugend. Und ich freue mich hier zu sein.

Svantje: Sehr cool. Genau zu dem Verband hätte ich auch meine erste Frage: Wofür setzt ihr euch ein? Was macht ihr? Und was ist dein Ehrenamt da?

Lucas: Es ist eine Art Selbsthilfeverband. Wir sind alle im Vorstand ehrenamtlich tätig und sind auch selbst hörgeschädigt oder interessieren uns dafür Menschen mit Hörbehinderung zu unterstützen. Wir setzen uns für die jüngere Generation ein. Unsere Definition von jung geht bis 35 Jahre, also doch noch etwas entspannter formuliert. Unsere wichtigsten Themen sind Aufklärung über das Thema Hörschädigung, Beratung bei Problemen rund um das Thema Hörschädigung, Empowerment und Identitätsarbeit. Dass Kinder mit Hörschädigung mit ihrer Behinderung besser zurechtkommen, sie akzeptieren und von der „Schwäche“ wegkommen und hin zu einer Stärke.

Svantje: Sehr schön. Zum Thema Empowerment: Was bringt ihr da bei? Wie läuft denn sowas ab?

Lucas: Also wir bieten verschiedene Workshops und Seminare an und unter anderem gibt es das Seminar Regelschülerseminar. Das heißt da gehen Schüler:innen hin, die selbst die einzigen mit einer Hörbehinderung sind an einer allgemeinen Schule, wo alle „normal“ hören. Und da laden wir auch immer Referierende ein, die selber eine Psychologie Ausbildung oder ein Psychologiestudium gemacht haben und sich einfach gut mit dem Thema auskennen. Da fördern wir auch den Austausch unter den Gleichgesinnten. Damit die Kids auch merken, dass sie nicht alleine sind mit ihrer Hörbehinderung. Und dass es auch viele Vorteile gibt hörgeschädigt zu sein. Viele Kids berichten dann auch nach diesen Seminaren, dass sie sich total wohlfühlen und total empowert sind und viel besser in den Alltag starten können. Und ich bin da auch so einer von, der davon profitiert hat.

Svantje: Darf ich näher dazu nachfragen? Also warst du dann selber als Kind in solchen Workshops mit dabei?

Lucas: Ja genau, also ich hab auch 2010 das erste Mal Kontakt zu der Bundesjugend gehabt und hatte vorher noch nie so richtig Kontakt mit anderen Hörgeschädigten. Und mir ging es dann in der Schule auch teilweise nicht so gut, einfach mit meiner Behinderung umzugehen. Ich stand immer im Mittelpunkt, weil ich immer das Mikrofon dem Lehrer gegeben habe und ständig nachgefragt habe. Und dann war ich da bei diesem Seminar, wurde da so ein bisschen von meinen Eltern hin gezwungen. Aber das hat sich dann als voller Erfolg herausgestellt. Für mich persönlich. Ich habe da Freunde gefunden, die auch heute noch meine Freunde sind. Ich fühle mich mittlerweile einfach sehr empowert und mache meine Hörbehinderung zur Stärke.

Svantje: Es einfach sehr cool, was ihr da an Arbeit leistet und auch deine Geschichte dahinter. Wir haben ja jetzt schon einen Beitrag zur deutschen Gebärdensprache veröffentlicht und da würde mich interessieren, ob du die deutsche Gebärdensprache kannst?

Lucas: Ja genau, also ich habe die deutsche Gebärdensprache auch selber gelernt. Nicht von Geburt an, wie man vielleicht vermuten würde. Ich habs erst mit 14 Jahren tatsächlich gelernt. Das ist vielleicht so ein kleiner Aberglaube, dass jeder hörgeschädigte Mensch von Geburt an die Gebärdensprache lernt. Das stimmt so nicht. Meine Eltern sind hörend und können die Gebärdensprache nicht, deswegen habe ich es dann selber einfach privat für mich gelernt und mir mit Songs dann angeeignet.

Svantje: Mit Songs? Dann übersetzt oder wie?

Lucas: Genau, mit einem Kumpel zusammen. Wir interessieren uns beide für Musik und haben uns dann hingesetzt und gedacht, wir müssen doch auch Musik barrierefrei machen und haben dann einfach so kurzerhand Lieder in Gebärdensprache verfasst und das dann auch in Musikvideos festgehalten.

Svantje: Das ist ja richtig cool. Bei den Recherchen bin ich auf den ESC in Gebärdensprache gestoßen und fand das schon richtig cool. Das es sowas wie den Eurovision Song Contest jetzt auch auf Gebärdensprache gibt, oder dass es jetzt auch auf Konzerten Gebärdendolmetschung gibt.

Lucas: Ja das ist auf jeden Fall echt cool!

Svantje: Warst du schon einmal auf einem Konzert mit Gebärdendolmetschung?

Lucas: Ich war schon auf Konzerten. Aber vor allem auf Konzerten mit deutschen Interpreten, die auch auf Deutsch singen, einfach weil ich da auch den Text besser verstehe, bei Englisch wird’s dann bei mir tatsächlich ein bisschen schwierig. Tatsächlich habe ich aber noch nie ein Konzert mit Verdolmetschung gesehen. Das noch nie.

Svantje: Da ist schade. Aber vielleicht wird das ja jetzt langsam präsenter.

Lucas: Ich hoffe doch.

Svantje: Zur Präsenz von deutscher Gebärdensprache. Wir haben herausgefunden, dass das ungefähr 200 000 Menschen sind, die das in Deutschland sprechen. Das wurde jetzt glaube ich mehr, wenn ich das jetzt richtig recherchiert habe. Was meinst du wie durchsetzungsfähig das im Alltag ist, dass das verbreiteter wird. Beispielsweise als Schulfach?

Lucas: Es wird auf jeden Fall schwierig sein, sowas durchzusetzen. Aber es gibt auf jeden Fall schon erste Erfolge. Zum Beispiel hat die Kulturministerkonferenz letztes Jahr erst, eine Empfehlung herausgegeben, dass man deutsche Gebärdensprache als Wahlpflichtfach einführen kann, in den allgemeinen Schulen. Das ist schonmal ein sehr großer Gewinn und darauf aufbauend, kann man jetzt an jeder Schule deutsche Gebärdensprache als Unterrichtsfach einführen. Schwierig wird’s dann natürlich bei der Frage: Wie besetzt man diese Posten? Wie können wir das unterrichten, wenn es nicht so viele Menschen gibt, die die deutsche Gebärdensprache selbst beherrschen.  Das ist eine schöne Idee und es ist auch schön, dass das an manchen Stellen auch umgesetzt wird, aber es dauert noch ein bisschen würde ich sagen.

Svantje: Okay, aber wenn das jetzt noch dauert, worauf kann man denn achten wenn man mit jemandem mit einer Hörbeeinträchtigung im Alltag redet?

Lucas: Eigentlich sollte man sich so normal verhalten wie es geht, also nicht groß ein Thema draus machen. Was ich da schon öfter erlebt habe, dass Leute dann zu mir gekommen sind und gefragt haben: Was hast du da in den Ohren? Sind das Hörgeräte? Und dann total verzerrt gesagt haben: Versteht du mich? Und das sind so Sachen, die kann man sich eigentlich sparen. Mittlerweile ist die Hörtechnik so gut, dass man eigentlich auch ziemlich gut hören kann. Gehörlose dagegen, die nicht versorgt sind, da gibt es die allgemeine Regel entweder ins Sichtfeld zu gehen und dann versuchen zu kommunizieren durch Tippen auf dem Handy oder auf einen Zettel schreiben, wenn man die Gebärdensprache nicht beherrscht. Oder eben antippen statt ins Sichtfeld, falls es gerade nicht anders geht. Aber nur auf die Schultern, nirgendwo sonst. Und dann sollte eigentlich alles gut klappen.

Svantje: Okay dann vielen Dank dir. Das wars dann auch schon mit unseren Fragen!

Mehr Infos

Weitere Infos zur Bundesjugend, ihrer Arbeit und Mitmachmöglichkeiten gibt es unter www.bundesjugend.de

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Stellt euch vor, ihr könnt die Tageszeitung nicht lesen, das Wahlprogramm der nächsten Bundestagswahl oder ihr versteht einfach nicht welcher Film nächsten Samstag im Kino läuft. Sprache ist überall und wichtig um an Gesellschaft, Politik und sozialem Leben teilzuhaben.

In Deutschland leben allerdings ungefähr 10 Millionen Menschen, deren Lese- und Schreibfähigkeiten unter dem Durchschnitt der Bevölkerung liegen. Es wird sogar geschätzt, dass über 50 % der deutschen Bevölkerung Probleme beim Lesen und Schreiben „normaler“ Texte haben. Einfache und Leichte Sprache sollen dahingehend Teilhabe möglich machen.

Leichte oder Einfache Sprache?

Texte im Fernsehen, zum Beispiel in den Nachrichten, sind oft sehr kompliziert

Aber was ist überhaupt Leichte und Einfache Sprache? Wodurch unterscheiden sie sich? Leichte und Einfache Sprache sind beides vereinfachte Realisierungsformen der deutschen Sprache. Einfach gesagt liegt der Unterschied der beiden Sprachen darin, dass Leichte Sprache weniger komplex ist als Einfache Sprache. Sie unterscheiden sich aber auch dadurch, dass Leichte Sprache einem Regelwerk unterliegt und von Prüfer:innen für Leichte Sprache geprüft wird. Prüfer:innen für Leichte Sprache sind Menschen die selbst auf Texte in Leichter Sprache angewiesen sind und daher entscheiden können, ob der Text tatsächlich leicht verständlich ist.

Das Regelwerk bezieht sich auf die Wort- und Satzebene, auf Formulierungen, die Gliederung und die Textgestaltung. Zusätzlich wird die Leichte Sprache gerne durch Bilder unterstützt. Auch bei der Einfachen Sprache gilt es sich an grobe Grundsätze zu halten, diese sind allerdings weniger spezifisch und vor allem nicht verbindlich. Das Ziel der Einfachen Sprache ist es, die Texte so zu gestalten, dass möglichst viele Menschen ihn verstehen können. Der Zeit- und Kostenaufwand ist dabei wesentlich geringer.

Woher kommt die Leichte Sprache?

Der Ursprung der Leichten Sprache geht auf die US-amerikanische Organisation People First zurück. 1996 entwickelten sie das Konzept des „Easy Read“ (deutsch: Einfaches Lesen). Der deutsche Verein „Mensch zuerst“ gründete sich 2001 in Deutschland und brachte in Folge dessen zwei Wörterbücher in leichter Sprache heraus. 2006 entsteht dann das Netzwerk Leichte Sprache in Deutschland, welches sich für die Verbreitung der Leichten Sprache stark macht. Mittlerweile gibt es europaweite Richtlinien und sogar ein Siegel für die Leichte Sprache. Das Regelwerk wurde von Inclusion Europe in Kooperation mit acht europäischen Ländern herausgegeben. Das Konzept der Leichten Sprache ist außerdem in der UN-Behindertenrechtskonvention und dem Behindertengleichstellungsgesetz verankert.

Für wen?

Leichte und Einfache Sprache kann für die verschiedensten Menschen hilfreich sein. Dazu gehören:

Einfache Sprache richtet sich aber eigentlich einfach an jede:n, der/die sich mit der im Normalfall verwendeten Textsprache schwer tut.

Wo findet man Informationen in Leichter Sprache?

Mittlerweile gibt es einige Medien, die Leichte Sprache nutzen

Mittlerweile gibt es schon einige Nachrichtendienste, die auch Informationen in Leichter Sprache veröffentlichen. Auf nachrichtenleicht.de des Deutschlandfunks werden jeden Freitag die wichtigsten Nachrichten der Woche in Leichter Sprache veröffentlicht. Auch der NDR, der MDR und der SR veröffentlichen mittlerweile Nachrichten in Leichter Sprache. Vielen Menschen ermöglicht das die Teilhabe und Partizipation in Gesellschaft und Politik.

Kritik an der Leichten Sprache

Leichte Sprache wird allerdings auch häufig kritisiert. Es sei „dümmliches Deutsch“ oder „unkorrekte Sprache“. Der Vorwurf ist vor allem, dass Leichte Sprache auf Grund der inhaltlichen Vereinfachung falsche oder lückenhafte Informationen übermitteln würde. Sprache sei eben immer schwierig, dürfe deswegen aber nicht verändert werden. Dazu muss gesagt werden, dass bei Übersetzungen in Leichte Sprache versucht wird, dass so wenig Inhalt wie möglich verloren geht und vor allem die Form der Sprache verändert wird. Dass vielen Menschen ohne Leichte oder Einfache Sprache ein großer Teil der Welt verwehrt bleibt, scheint den Kritiker:innen dabei nicht bewusst zu sein.

Falls Ihr noch mehr zum Thema Behinderung und Sprache lesen wollt, schaut euch doch die anderen Beiträge unserer Themenwoche „Behindert Sprache?“ an!


Eine Sprache für Alle (Einfache Sprache)

10 Millionen Menschen in Deutschland können nicht gut lesen und schreiben. Lesen und schreiben ist wichtig um an der Gesellschaft und Politik teilzuhaben. Auch für den Alltag ist es wichtig.

Für diese Menschen gibt es Leichte Sprache oder Einfache Sprache. Leichte Sprache hat Regeln und wird geprüft. Einfache Sprache muss nicht geprüft werden. Die Regeln sind weniger streng. Die Leichte Sprache ist leichter als Einfache Sprache. Einfache Sprache ist günstiger und braucht weniger Zeit.

Woher kommt die Leichte Sprache?

Die Idee der Leichten Sprache kommt aus Amerika von der Organisation „People First“. Das ist Englisch und heißt "Menschen zuerst". Heute gibt es europaweite Regeln und ein Siegel für die Leichte Sprache.

Für wen?

Leichte Sprache und Einfache Sprache ist wichtig für:

Wo findet man Informationen in Leichter Sprache?

Informationen in Leichter Sprache findet ihr hier:

Kritik an Leichter Sprache

Manche Menschen kritisieren Leichte Sprache und sagen sie ist falsch. Sie sagen Sprache ist schwer und darf nicht verändert werden. Leichte Sprache soll aber nicht den Inhalt ändern, sondern die Form der Sprache. Außerdem ist sie für viele Menschen die einzige Möglichkeit mitzumachen.

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Sind wir doch mal ehrlich: Jede:r von uns hat schon mal ein Wort oder einen Satz rausgehauen, der uns im Nachhinein unangenehm war. Ob im Streit, im Überschwang eines angetrunkenen Stadionbesuchs oder wenn man sich den Zeh an der Bettkante stößt - wenn wir nicht die Kontrolle über unseren Sprechapparat zu haben scheinen, rutschen uns unschöne Worte heraus. Aber: Warum sind Begriffe wie "behindert", "Spasti" oder "Mongo" überhaupt Teil des Repertoires an Beleidigungen bei vielen Menschen? Und was können wir gemeinsam dagegen tun?

Aus Berührungsangst wird schnell Beleidigung

Dazu müssen wir zunächst einen Schritt zurück gehen und uns anschauen, warum solche Begriffe überhaupt als Beleidigung verwendet werden können. Viele Menschen haben in ihrem Alltag wenige Berührpunkte mit Behinderung, beziehungsweise mit Menschen mit Behinderung. Krankheiten und Sinneseinschränkungen werden so zu einer Art unheimlichen Etwas, mit dem sie möglichst wenig zu tun haben möchten. Das Resultat ist der Drang zu sprachlicher Abgrenzung, in vielen Fällen dann in Form einer Beleidigung. Wer einen anderen Menschen, unabhängig davon ob diese Person wirklich eine Behinderung hat oder nicht, als behindert bezeichnet und dies mit einer abwertenden Haltung tut, spricht dem Gegenüber in letzter Konsequenz das Recht ab, auf Augenhöhe zu kommunizieren. Nach dem gleichen Wirkprinzip wie bei rassistischen und sexistischen Äußerungen wird auch bei ableistischen Aussagen immer ein Stück weit das Menschsein des Angesprochenen infrage gestellt. Der Mensch mit Behinderung wird so zum Behinderten; und in einer kleinen Äußerung wird ein gigantisch großes gesellschaftliches Problem deutlich.

Ableismus

Der Begriff Ableismus im Deutschen leitet sich vom englischen Ableism ab. Wortursprung ist das Verb „to be able“, übersetzt „zu etwas fähig sein“. Der ursprünglich durch eine Bewegung von Menschen mit Behinderung in den USA, dem Disability Rights Movement, entstandene Begriff bezeichnet ein Verhalten, das Menschen auf ihre körperliche oder psychische Behinderung reduziert. Wer ableistisch handelt, schließt beispielsweise von der eingeschränkten Mobilität eines Menschen auf seine geistige Zurechnungsfähigkeit und wertet ihn auf diese Weise ab. Ableismus kann vieles sein, von alltäglichen Erscheinungen wie Beleidigungen, bis hin zu systematischer Ausgrenzung oder körperlicher Gewalt.

Ein Rollstuhl braucht keine Hilfe

Durch Verallgemeinerung entsteht der Eindruck, Menschen mit Behinderung ließen sich als Gruppe zusammenfassen und ihre Eigenschaften, Bedarfe und Positionen innerhalb der Gesellschaft gleichsetzen. Das Prinzip „Kennst du einen, kennst du alle“ kann dabei enormen Schaden anrichten, und das nicht nur kommunikativ. Formulierungen wie „Mensch mit Behinderung“ oder „Mensch mit eingeschränkter Mobilität“ stellen den Menschen und sein Recht und seinen Anspruch auf vielfältige und individuelle Lebens- und Persönlichkeitsentfaltung in den Vordergrund. Aus diesem Grund haben wir uns in FairWeg, genau wie etwa die Aktion Mensch oder die Online-Plattform leidmedien.de dazu entschlossen, nur Begriffe dieser Art zu verwenden. Noch schlimmer zeigen sich in diesem Zusammenhang Formulierungen, die einem im deutschen Alltag ganz selbstverständlich um die Ohren gehauen werden: Eine Bekannte, die etwa beim Zugfahren auf einen Rollstuhl angewiesen ist, erzählte mir vor einiger Zeit, dass bei der Deutschen Bahn intern des Öfteren die Aussage getroffen wird „Hinten am Gleis braucht ein Rollstuhl Hilfe“ – wenn nicht vom Rollstuhl aus Metall und Plastik, sondern vom Menschen aus Fleisch und Blut die Rede ist. Solche Aussagen sind herabwürdigend und beleidigend, egal wie man es dreht und wendet.

Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!

Popkultur Festival Berlin 2018 ++ am 21.08.2019 in Berlin (Berlin). (c) Andi Weiland | Gesellschaftsbilder.de

Während solche Beispiele (hoffentlich) auch bei vielen Menschen auf dem Bahnsteig für Ablehnung sorgen, sind ableistische oder zumindest grenzwertige Begriffe oder Aussagen über Menschen mit Behinderung im alltäglichen Sprachgebrauch sehr gängig und wirken damit fast selbstverständlich. Wenn jemand „an den Rollstuhl gefesselt“ ist, klingt das eher nach einer Entführung, als nach der Möglichkeit durch ein technisches Hilfsmittel am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Wer ein „Pflegefall“ ist, wird einzig und allein dadurch charakterisiert, dass er oder sie von jemand anderen („gesunden“) in gewissen Situationen Assistenz benötigt; und dabei ein Fall von vielen ist, womit wir wieder beim Thema Verallgemeinerung wären. Wer solche Formulierungen benutzt ist selbstverständlich kein schlechter Mensch und auch nicht an sich behindertenfeindlich. Es geht aber mit aller Ernsthaftigkeit darum, über solche weit verbreiteten Aussagen nachzudenken, sie mit dem Wissen über die Sache zu bewerten und im Zweifelsfall Alternativen zu finden. Eine tolle Übersicht mit einigen gängigen Sätzen und Bezeichnungen hat leidmedien.de 2019 in ihrem Leidfaden zusammengestellt, den ihr hier abrufen könnt.

Woher kommen diese Begriffe eigentlich?

Oft weiß man gar nicht so genau, wovon sich bestimmte Begriffe oder als Beleidigung genutzte Wörter ableiten. Deshalb hier ein kleiner Einblick. All diese Begriffe sind veraltet, beleidigend und ausgrenzend und sollten weder als Beleidigung, noch in irgendeiner anderen Form im alltäglichen Sprachgebrauch verwendet werden.

Spasti“ leitet sich vom medizinischen Begriff Spastik für die Verhärtung und Steifheit von Muskeln, die Bewegungen, Körperhaltung und Gleichgewicht erschweren, ab. Früher wurden Menschen mit Spastiken als „Spastiker:innen“ bezeichnet. Heute werden Menschen mit diesem Krankheitsbild nach der Cerebralparese meist als Cerebralparetiker:in bezeichnet.

Mongo“ leitet sich von der Bezeichnung für Trisomie 21 ab, die der britische Arzt und Apotheker John Langdon Down 1866 in seiner ersten umfassenden Bezeichnung für das Krankheitsbild einführte: Mongolian idiocy (mongoloide Idiotie). Der Begriff wird bereits seit den 1960er-Jahren nicht mehr verwendet, da er nicht nur medizinisch falsch, sondern in seinem Ursprung auch rassistisch ist. Die gängige Variante heute ist „Mensch mit Trisomie 21“.

Handicap“ als Bezeichnung für eine Behinderung leitet sich vom alten englischen Tausch-Spiel „Hand-in-Cap“ ab, bei dem zwei Personen einen Tauschhandel vollziehen wollen, eine Seite aber stets ‚weniger in der Hand‘ hat – dieser Begriff wurde dann auf den Pferderennsport übertragen, in dem Pferde früher Gewichte angehängt bekamen, damit alle Teilnehmenden die gleichen Ausgangschancen hatten. Anfang des 20. Jahrhunderts wandelte sich der Begriff dann zu einer Bezeichnung für Behinderung.

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht

Popkultur Festival Berlin 2018 ++ am 21.08.2019 in Berlin (Berlin). (c) Andi Weiland | Gesellschaftsbilder.de

Übrigens geht es in Sachen nicht-inklusiver Sprache gar nicht zwingend immer um Negatives, um Abwertendes und Ausgrenzendes. Wie in vielen anderen Bereichen der alltäglichen Kommunikation kann auch übertriebene oder fehlplatzierte Positivität schnell problematisch werden. Wer davon spricht, dass Menschen mit Behinderung ihr Leben „trotzdem meistern“, reduziert nicht nur durch das Herausstellen der über allem schwebenden Behinderung, sondern verbesondert auch. Eine Lehramtsstudierende im Rollstuhl beispielsweise studiert einfach nur Erdkunde und Deutsch – sie meistert die Fächer nicht, zumindest nicht mehr oder weniger als ihre Kommiliton:innen, die vielleicht nicht im Alltag mit dem Rollstuhl unterwegs sind. Und auch verniedlichende oder infantilisierende (verkindlichende) Begriffe wie „Downie“ für Menschen mit Trisomie 21 gehören auf den Sprachfriedhof: Zum einen, weil in diesem konkreten Beispiel erneut das Krankheitsbild mit der Person gleichgesetzt wird, zum anderen, weil auch Menschen mit Trisomie 21 das gleiche Recht auf eine Behandlung als erwachsene Person haben wie alle anderen. Also: Es kann im wahrsten Sinne des Wortes schnell zu viel des Guten sein.

Unter dem Strich sind also vor allem zwei Dinge sicher: Zum einen hat Sprache eine enorme Macht, die sowohl Gutes als auch Schlechtes in einer Gesellschaft in Bewegung setzen kann. Die Begriffe, die wir dafür benutzen, um über Behinderung zu sprechen, bergen immer Sprengstoff und zugleich das Potential, gegen Tabus vorzugehen und so in den offenen Diskurs zu kommen. Denn, und das ist die zweite Gewissheit, wir müssen mehr über Menschen mit Behinderung und ihre Situation innerhalb der Gesellschaft, etwa auf Veranstaltungen sprechen. Nur so kann sich etwas ändern und gemeinsam etwas verändert werden. Doch die Art und Weise muss sich dabei dringend ändern – und jede:r von uns kann seinen Teil beitragen.

Im Projekt FairWeg geht es uns um bessere Strukturen für Barrierefreiheit und inklusive Konzepte auf Veranstaltungen in Trier. Während wir in den kommenden Jahren vor allem mit Bildungsarbeit, etwa mit praxisnahen Workshops für Veranstaltende, etwas in unserer Stadt verändern möchten, steht zunächst der Zugang zum Thema am Anfang: Nicht nur über, sondern verstärkt mit Menschen mit Behinderung zu sprechen. Da wir unbedingt auf die Erfahrungen, Ideen und Wünsche von unmittelbar betroffenen Menschen angewiesen sind, haben wir eine Umfrage ins Leben gerufen, in der es um Veranstaltungen in Trier geht und die alle Menschen mit Behinderung in Trier anspricht.

Die Teilnahme an der Befragung ist freiwillig, anonym und dauert etwa 10 Minuten. Sie helfen mit Ihrer Teilnahme aktiv mit, die richtigen Fragen zu stellen und an den richtigen Baustellen anzupacken - die Ergebnisse aus der Umfrage fließen nämlich aktiv in unsere Arbeit mit den Veranstaltenden vor Ort ein. Gerne können Sie den Link in Ihrem Umfeld teilen. Auch eine Teilnahme für andere Familienmitglieder, etwa (Enkel-) Kinder ist möglich.

Zusätzlich zur Online-Umfrage bieten wir auch eine gedruckte Papierversion der Befragung an, die etwa für Wohngruppen oder ähnliche Institutionen bestimmt und ggf. auch begleitet ausgefüllt werden kann. Sollten Sie Interesse an einer gedruckten Version des Fragebogens haben, wenden Sie sich gerne an Lea Scherer aus dem Projektteam (scherer@la21-trier.de).

Endlich ist es wieder so weit: Nicht nur unser FairWeg-Projekt, sondern auch das beliebte Agenda-Quiz startet in die nächste Runde!
Und auch hier dreht sich jetzt alles um Barrierefreiheit und Inklusion unter unserem neuen Namen „Agenda-Quiz – Fair Quizzen Für Alle!“.

Wir freuen uns schon riesig, euch alle wieder zum Quizzen am 03. November ab 19 Uhr im Proud Café des Schmit-Z in der Mustorstraße begrüßen zu dürfen.

Wie gewohnt erwartet euch ein breit gefächertes Quiz mit fairtastischen Fragen rund um Trier, Nachhaltigkeit und Inklusion. Mitmachen könnte ihr mit eurem Team mit bis zu 8 Teilnehmer:innen und am besten mit einem fairtastischen Team-Namen. Auf die Gewinner:innen des Abends warten wieder besondere Gewinne aus Trier und der Region!

Die Teilnahme ist natürlich kostenlos und das Quiz wird etwa 2 Stunden dauern. Wir freuen uns, auf einen tollen Quiz-Abend für alle!

Der Agenda-Quizabend findet in Kooperation mit der Heinrich Böll-Stiftung Rheinland-Pfalz statt.

Nachhaltig fairanstalten in Trier und Region.
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