Umfrage zur Barrierefreiheit auf Veranstaltungen in Trier

Das Projekt „FairWeg- Fairanstalten für alle!“ der Lokalen Agenda 21 Trier setzt sich aktuell für barrierearmes Veranstalten in Trier ein. Gegen Ende letzten Jahres hat das FairWeg-Team daher eine Umfrage zu Barrierefreiheit auf Veranstaltungen in Trier gestartet. Dadurch sollen die Eindrücke und Erfahrungen der Personen gesammelt werden, die regelmäßig durch unterschiedlichste Barrieren von Veranstaltungen ausgeschlossen sind oder deren Teilnahme dadurch erschwert wird. Wie sieht es in Trier aus? Wo liegen die Probleme und Hürden? Was läuft schon gut? Nur durch persönliche Erfahrungen wird klar, wo angesetzt werden muss, welche Probleme angegangen werden müssen und bei wem man sich vielleicht eine Scheibe abschneiden kann bezüglich der Barrierefreiheit.

Die Zusammenarbeit mit dem Club Aktiv, der Lebenshilfe Trier und dem Behindertenbeirat Trier war bei der Verbreitung der Umfrage sehr hilfreich. Es wurden viele Menschen erreicht, die daran interessiert sind, dass sich die Veranstaltungs- und Kulturszene in Trier weiterentwickelt. Die Rückmeldungen, Erfahrungen und Eindrücke möchten wir euch natürlich nicht vorenthalten. Daher haben wir hier für euch zusammengefasst, wie es denn um die Barrierefreiheit in der Trierer Veranstaltungslandschaft steht.

Wer hat an der Umfrage teilgenommen?

Zunächst einmal zu den Teilnehmenden: Die Teilnehmenden der Umfrage haben selbst eine Behinderung, begegnen in ihrem Leben also regelmäßig Barrieren und Strukturen, die nicht für sie geschaffen sind. Viele werden durch Begleitpersonen in Form einer Assistenz oder einem Familienmitglied auf Veranstaltungen begleitet. Von jung bis alt war alles dabei, wodurch Eindrücke unterschiedlicher Generationen und somit auch unterschiedlichster Veranstaltungen gesammelt werden konnten. Die verschiedensten Veranstaltungsarten waren vertreten: von Theater-, Museumsbesuchen und Lesungen bis zu Stadtfesten, Partys und Sportveranstaltungen. Es wurden daher auch viele verschiedene Veranstaltungsorte in Trier beleuchtet. Große, bekannte Veranstaltungsorte wie die Arena, die Europahalle, die TUFA, das Theater, der Messepark, der Mergener Hof und viele weitere wurden von einem Großteil der Befragten mindestens einmal besucht. Aber auch Erfahrungen zu Stadtfesten und dem Weihnachtsmarkt wurden geteilt. Spannend für Veranstaltende könnte hier sein, dass neben Social Media und den jeweiligen Internetseiten, die Presse, also der Volksfreund, die Rathauszeitung und generell Printmedien immer noch aktiv genutzt werden, um auf Veranstaltungen aufmerksam zu werden.

Welche Probleme werden sichtbar?

Trotz des breit gefächerten Veranstaltungsspektrum, stachen sechs Probleme bei der Auswertung der Umfragen besonders heraus: Ein ganz wichtiges Thema sind Toiletten, außerdem Eintrittspreise, Sitzplätze für Menschen mit Behinderung, die fehlende Rücksichtnahme anderer Teilnehmender, die Informationslage zur Barrierefreiheit der Veranstaltungen und die Anfahrt zu Veranstaltungen, also der ÖPNV in Trier.

Zur Toilettensituation: Es gibt tatsächlich immer noch Veranstaltungsorte, die keine Toilette für Menschen mit Behinderung haben. Gibt es Behindertentoiletten, ist das Problem mit den Toiletten allerdings noch nicht gelöst. Teilnehmende der Umfrage berichten von schlechter Zugänglichkeit zu den Toiletten, weiten Wegen (weiterer Weg als andere Toiletten) und Toiletten die nicht wirklich auf die Bedürfnisse der Menschen angepasst sind. Die Toiletten sind zu niedrig, es fehlen Haltegriffe oder das Waschbecken ist zu hoch für Rollstuhlfahrer:innen. Ein weiteres Problem scheint die Hygiene auf den Toiletten zu sein. Mehrfach wird der schlechte Zustand in dem sich die Toiletten befinden, bemängelt.

Eintrittspreise: Für viele Menschen mit Behinderung sind außerdem Eintrittspreise ein Ausschlusskriterium. Bei einem Theater- oder auch Konzertbesuch mit allem Drum und Dran sind ganz schnell mal 20€ – 30€ weg, was für viele Leser:innen vielleicht nicht viel sein mag, für Menschen mit geringem bis keinem Einkommen oder Menschen, die Grundsicherung beziehen, ist das allerdings ein Preis der den Rahmen sprengt. Das ist natürlich nicht nur für Menschen mit Behinderung problematisch. Trotzdem ist hier hervorzuheben, dass Menschen mit Behinderung statistisch gesehen einem größeren Armutsrisiko ausgesetzt sind und im Durchschnitt ein geringeres Einkommen beziehen, als Menschen ohne Behinderung. Außerdem beziehen Haushalte mit Menschen mit Behinderung doppelt so häufig Leistungen der Grundsicherung. Es ist daher wichtig hervorzuheben, dass hohe Eintrittspreise für viele Menschen mit Behinderung zusätzlich im besonderen Maße eine Barriere darstellen.

Sitzplätze: Wir alle haben auf Konzerten und anderen Veranstaltungen schon die extra Tribünen für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen gesehen. Es gibt also durchaus Platz für Menschen, die in ihrer Mobilität behindert sind. Kritisiert wird von Teilnehmenden die Lage dieser „Extraplätze“. Oft ganz hinten, oder ganz am Rand, wo die Plätze niemanden stören, dürfen auch Rollstuhlfahrer:innen und deren Begleitpersonen Veranstaltungen miterleben. Von der Show bekommt man dann allerdings weniger mit. Von gleichberechtigter Teilhabe kann da nicht die Rede sein. Trotzdem ist Teilnahme hier generell möglich. Das ist nicht überall der Fall, es gibt auch Veranstaltungsorte die keine Plätze für Rollstuhlfahrer:innen haben (oder die aufgrund des nicht barrierefreien Eingang oder des fehlenden Aufzugs keine brauchen).

Rücksichtnahme anderer Teilnehmender: Ein häufig genanntes Problem auf Veranstaltungen, scheint auch die mangelnde Rücksichtnahme der Teilnehmenden zu sein. Es wird von beleidigendem Verhalten und großen Menschenmassen, die keinen Platz für Rollstuhlfahrer:innen beim Überqueren des Veranstaltungsgeländes oder -raums machen, berichtet. Auf das Verhalten der Teilnehmenden haben Veranstaltende natürlich keinen direkten Einfluss. Es gibt aber trotzdem Möglichkeiten, die einen sicheren Veranstaltungsbesuch begünstigen. Beispielsweise Awarenesskonzepte und -teams: Betroffenen von diskriminierendem Verhalten kann dadurch geholfen werden und die Präsenz des Konzepts (z.B. über Plakate) ermöglicht vielleicht sogar ein Überdenken der Verhaltensweisen. Übergriffiges und diskriminierendes Verhalten passiert leider trotzdem. Das Mindeste was getan werden kann, ist, dass Betroffene sich durch Awareness-Teams nicht so alleine mit der Situation fühlen. Mehr zu Awareness-Konzepten findet Ihr auch in unserem Beitrag dazu.

Informationen zur Barrierefreiheit: Es wird auch häufig erwähnt, dass nicht immer ganz klar ist, wie es um die Barrierefreiheit auf Veranstaltungen steht. Gibt es Behindertentoiletten? Sind alle Bereiche der Veranstaltung für Rollstuhlfahrer:innen erreichbar? Sind sonst alle Rahmenbedingungen gegeben: Rampen, breite Türrahmen, Behindertenparkplätze? All das müssen Menschen mit Behinderung scheinbar immer erst erfragen, bevor sie eine Veranstaltung besuchen. Informationen auf der Bewerbung oder den Internetseiten der Räumlichkeiten sucht man noch zu häufig vergeblich.

Anfahrt: Die Anfahrt mit dem ÖPNV wird auch mehrfach kritisiert. Überfüllte Busse (und demnach wenig bis kein Platz für Rollstühle und Rollatoren) und nicht bzw. nur teilweise barrierefreie Bushaltestellen erschweren die Anfahrt zu Veranstaltungen. Es wird daher auf andere Möglichkeiten zurückgegriffen, wie Fahrdienste und Taxen, was finanziell wiederum für viele Menschen nicht möglich ist.

Weitere Probleme die genannt wurden, sind die Orientierung auf dem Veranstaltungsgelände, eine schlechte Akustik (was vor allem für Menschen mit Hörschädigung schwierig ist), Uneinigkeit über die Kosten für Begleitpersonen, ein Mangel an Behindertenparkplätzen und zu steile oder fehlende Rampen. Die Liste ist lang und es ist sicherlich nicht alles mit Einfachheit zu lösen, aber durch das Kommunizieren der Probleme, ist ein erster Schritt getan, Sichtbarkeit für das Thema Inklusion im Veranstaltungsbereich zu schaffen und diese Probleme anzugehen.

Ein gutes Beispiel hierfür ist das Stadion der Eintracht Trier: Auf die Kritik seitens des inklusiven Medienteams Tacheles an fehlenden überdachten Rollstuhlplätzen reagierten die Fans und auch die Stadt. Dort gibt es nun fünf überdachte Rollstuhlplätze in der ersten Reihe!

Was läuft schon gut auf Veranstaltungen in Trier?

Es wurde nicht nur nach Problemen und Barrieren gefragt, sondern auch danach, welche Veranstaltungen in Bezug auf Barrierefreiheit bisher positiv aufgefallen sind. Auch hier kam einiges zusammen. Es wurde erwähnt, dass Porta Hoch3 sehr gut organisiert ist und auch Erfahrungen in der Arena wurden häufig positiv bewertet. Die Arena scheint in Dingen räumlicher Barrierefreiheit gut aufgestellt zu sein. Der Bereich für die Rollstuhlplätze bietet außerdem eine gute Sicht auf die Bühne. Auch die Räumlichkeiten der Kinos sind wohl mit dem Rollstuhl gut befahrbar. Stadtfeste wie das Zurlaubener oder der Kulturhafen wurden ebenfalls als Positivbeispiele genannt; Toiletten für Menschen mit Behinderung sind mit dem Euroschlüssel erreichbar und das Gelände mit dem Rollstuhl problemlos befahrbar.

Was wünschen sich die Teilnehmenden der Umfrage?

Vielen Teilnehmenden scheint es wichtig zu sein, als Veranstaltungsteilnehmer:in wahrgenommen zu werden. Das fängt schon bei der Planung eines Events an. Das Konzept und die Bewerbung der Veranstaltungen sollten genauso auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung ausgerichtet sein, wie für Menschen ohne eine Behinderung. Was bringt uns das Datum der Veranstaltung, wenn der Ort fehlt? Genauso wenig bringt Rollstuhlfahrer:innen eine Bewerbung, die nicht beinhaltet, ob der Eingang barrierefrei ist, oder es eine Behindertentoilette gibt. Diesbezüglich wird erwähnt, dass nicht nur die Teilnahme an sich wichtig ist, sondern auch die möglichst selbstständige Teilnahme. Außerdem äußern viele Teilnehmende den Wunsch nach mehr Rücksichtnahme und einem Miteinander auf Augenhöhe auf Veranstaltungen. Es liegt also neben den strukturellen Veränderungen, die es unbedingt braucht, auch an uns allen, behindertenfeindliche Strukturen und Denkmuster zu hinterfragen, um ein solidarisches Miteinander zu ermöglichen.

Vor zwei Wochen startete das Agenda-Kino für das Jahr 2023. Auftaktfilm war diesmal „Die Kinder der Utopie“ von Hubertus Siegert. Schon seit fast zwanzig Jahren ist das Agenda-Kino der Lokalen Agenda 21 in Kooperation mit dem Broadway Filmtheater und der Heinrich-Böll-Stiftung RLP eine feste Größe in Trier. Das FairWeg-Team der Lokalen Agenda 21 freut sich daher Filmpate für diesen Film gewesen zu sein.

Knapp 40 Besucher:innen kamen zusammen, um gemeinsam „Die Kinder der Utopie“ anzuschauen, aber auch um darüber zu diskutieren und Gedanken zum Film und dem Thema allgemein zu äußern. Der Film porträtiert sechs junge Erwachsene, die sich alle aus ihrer Grundschulzeit kennen, sie haben gemeinsam eine Inklusionsklasse in Berlin besucht. Vor 12 Jahren begleitete der Dokumentarfilm „Klassenleben“, ebenfalls von Hubertus Siegert, die Kinder dieser Inklusionsklasse und gab Einblicke in deren Schulalltag. „Die Kinder der Utopie“ zeigt nun sechs der Kinder im Erwachsenenalter. Gemeinsam blicken sie zurück auf ihre Schulzeit. Auf eine ungestellte Art und Weise wird gezeigt, wie sich die jungen Erwachsenen weiterentwickelt haben und wo sie heute im Leben stehen. Sie schwelgen aber auch in Erinnerungen und sprechen über ihre gemeinsamen Erfahrungen und Eindrücke. Der Film beleuchtet die Perspektive der Kinder und jungen Erwachsenen die Teil einer Inklusionsklasse waren, ohne den Anspruch das Konzept durch Expert:innen zu bewerten. Der Fokus liegt hier auf den Menschen, die durch ihre gemeinsame Zeit in einer Inklusionsklasse geprägt wurden. Zum Nachgespräch war neben dem FairWeg-Team auch Sophie von Leoprechting vom Palais e.V. in Trier vor Ort. Von Leoprechting ist systemische Inklusionshilfe und für die Inklusionshilfen an einigen Schulen in Trier zuständig. Viele Interessierte sind im Anschluss an den Film zum Nachgespräch geblieben. Es wurde natürlich über den Film, aber auch über Inklusion an Trierer Schulen und die Perspektive der Pädagog:innen, die in dem Feld tätig sind, gesprochen.

Auch in den nächsten Monaten geht es im Agenda-Kino spannend weiter. Insgesamt werden neun Filme gezeigt, darunter „The North Drift – Plastik in Strömen“ von Steffen Krones, „YALDA“ von Massoud Bakhshi und „RISE UP“ eine Produktion von leftvision und Freischwimmer Film. Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr feiert auch das Agenda Kino Kids im Rahmen des Zukunfts-Diploms für Kinder ein Revival. Das ganze Programm für das erste Halbjahr 2023 findet ihr hier.

Hier könnt ihr euch den Beitrag auch anhören. Viel Spaß damit!

Der Beitrag kommt krankheitsbedingt etwas zeitverzögert. Der internationale Aktionstag zur Beseitigung patriachaler Gewalt auf den wir uns hier im Text beziehen ist zwar schon ein wenig her, das Thema verdient allerdings das ganze Jahr über Aufmerksamkeit!

Am 25. November fand wie jedes Jahr der internationale Aktionstag zur Beseitigung patriarchaler Gewalt statt. Der Tag, oft auch „Orange Day“ oder „Tag gegen Gewalt an Frauen“ genannt, macht auf die alltägliche Gewalt gegen FINTA* (Frauen, intersex-, nicht-binär-, trans- und agender Personen) aufmerksam. Gewalt die überall passiert: Zu Hause, am Arbeitsplatz, in der Schule, an der Universität aber auch auf Veranstaltungen. Auch die Bundesregierung hat sich 2018 dazu verpflichtet, die Umsetzung der Istanbul Konvention voranzutreiben und patriarchaler Gewalt aktiv entgegenzutreten.

Geschlechtsbezogene Gewalt ist ein weltweites Problem und ist in allen Bevölkerungsschichten zu finden. Auch in Deutschland ist jede dritte Frau mindestens einmal im Leben Opfer von Gewalt. Genau lässt sich das aber kaum sagen, da viele Fälle von Gewalt aus den verschiedensten Gründen nicht gemeldet werden. Ein Grund ist auch oft ein zu enges Verständnis von Gewalt. Fälschlicherweise wird sehr oft nur körperliche Gewalt als Gewalt wahrgenommen. Auch sexualisierte, psychische (also seelische ), soziale, digitale und wirtschaftliche Gewalt ist für viele Menschen Alltag. Zu psychischer Gewalt zählen beispielsweise auch Beschimpfungen, Abwertung, Drohung, Nötigung und Belästigung. Soziale Gewalt ist meist dadurch geprägt, dass die betroffene Person isoliert und in ein Abhängigkeitsverhältnis gedrängt wird. Auch eine finanzielle Abhängigkeit von Täter:innen zeigt sich häufig im Kontext von Gewalt. Das Ziel dieser Gewalt ist allerdings meist dasselbe: Es geht darum die andere Person zu schwächen, zu verunsichern, aus dem Gleichgewicht zu bringen, zu kontrollieren und das aufgrund ihres Geschlechts.

Was ist die Istanbulkonvention?

Die Istanbul-Konvention ist eine, seit 2011 bestehende Europaratskonvention zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Ziel der Konvention ist die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter in den Verfassungen und Rechtssystemen, sowie die Umsetzung von Opferschutz und Prävention von geschlechtsbezogener Gewalt der Unterzeichnerstaaten. Sie verpflichten sich offensiv gegen alle Formen der geschlechtsbezogene Gewalt vorzugehen.
Hier findet ihr die Instanbul Konvention in Leichter Sprache.

Woher kommt der Aktionstag eigentlich?

Am 25. November 1960 wurden die drei Mirabel-Schwestern Minerva, Patria und Maria Teresa, politische Aktivistinnen aus der Dominikanischen Republik, auf Befehl des dominikanischen Diktators Rafael Trujillo ermordet. Sie waren Teil einer revolutionären kommunistischen Gruppierung Agrupación política 14 de junio die den Sturz des Diktators planten. 21 Jahre später wurde der Tag, von Aktivistinnen auf den Feminist Encuentros in Lateinamerika und der Karibik zum Aktionstag der Beendigung der Gewalt an Frauen erklärt. Seit 1991 macht auch die UN unter der Kampagne „Orange The World“ am 25. November auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam. Auch hier in Deutschland gibt es jedes Jahr an diesem Tag Demonstrationen und Aktionen, die auf patriarchale Gewalt aufmerksam machen wollen.

Besonders stark betroffen sind Frauen und Mädchen mit Behinderung. Sie erfahren fast doppelt so häufig Gewalt wie Frauen und Mädchen ohne eine Behinderung. Und das in allen Lebenslagen: zu Hause, in Einrichtungen der Behindertenhilfe, in der Pflege, aber auch im öffentlichen Leben. Dazu kommt die tägliche strukturelle Gewalt, in Form von Diskriminierung durch Regeln, Gesetze, Vorgaben, die sich nicht weiterentwickeln ,weil es eben schon immer so war’. Oder durch eine Umwelt die nur auf die Bedürfnisse von Menschen ohne eine Behinderung ausgerichtet ist. Oft zeigt sich dies auch durch übergriffiges Verhalten und Distanzlosigkeit gegenüber Menschen mit einer Behinderung ausgehend von Fremden aber auch dem näheren Umfeld. Privatsphäre und Selbstbestimmung wird dadurch vielen Menschen verwehrt, die ein gleiches Recht darauf haben, wie alle Anderen auch.

Aber was bedeutet das für die Veranstaltungs- und Kulturszene?

Grenzüberschreitungen und Übergriffe passieren, auch oder besser gesagt besonders auf Veranstaltungen. Es liegt nicht immer in der Macht der Veranstaltenden solche Vorfälle zu verhindern. Daher ist es umso wichtiger, dass es gut konzipierte Awareness-Konzepte und -Teams gibt, die im Fall zur Stelle sind. Aber was machen Awareness-Konzepte und -Teams überhaupt? Zum einen stellen gut durchdachte Awareness-Konzepte klare Verhaltensregeln auf, die sowohl dem Personal, als auch allen Besuchenden klar kommuniziert werden. Das Personal sollte dabei geschult und für die strukturelle Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, der Herkunft oder einer Behinderung sensibilisiert sein. Die Besucher:innen sollen beispielsweise in Form von Plakaten von dem Hilfsangebot erfahren, damit die Hilfe auch in Anspruch genommen werden kann. Zudem sollte es neben dem normalen Personal ein sogenanntes Awareness-Team geben, an das sich Betroffene wenden können. Wichtig ist hier eine parteiliche Funktion, also volle Solidarität mit Betroffenen.


Awareness

Awareness kommt aus dem Englischen und bedeutet Schaffung von Bewusstsein also Aufmerksamkeit. Hier ist damit gemeint, dass ein Bewusstsein über die Gefahren durch die Diskriminierung aufgrund von beispielweise Behinderung oder Geschlecht herrscht.

Das Schaffen einer sicheren Umgebung, unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Behinderung ist essentiell für eine inklusive Veranstaltung. Daher ist es wichtig Aufmerksamkeit für die besonders gefährdete Situation von FINTA*-Personen mit einer Behinderung und auch People of Colour zu schaffen, es ist aber vor allem notwendig aktiv zu werden. Es müssen Strukturen geschaffen werden, wodurch Übergriffe minimiert werden und Betroffenen geholfen werden kann. Für Veranstaltende heißt das also, sich über mögliche Gefahren aufzuklären, diese Ernst zu nehmen und ein Konzept zu entwickeln, dass allen Teilnehmenden eine sichere Veranstaltung ermöglicht. Die Veranstaltenden stehen hier nicht alleine vor diesem Problem, es kann sich dafür natürlich auch Hilfe gesucht werden: Hier in Trier wie schon gesagt beispielsweise bei der Feministischen Vernetzung. Auch wir als FairWeg-Team sehen Awareness-Konzepte und -Teams auf Veranstaltungen als wichtigen Schritt für eine sichere Veranstaltungsbranche, denn wir wollen Fairanstaltungen für Alle!


Awareness-Projekt der Feministischen Vernetzung

Die Feministische Vernetzung hat in Kooperation mit dem Frauennotruf Trier beispielsweise dahingehend gehandelt. Mit ihrem Awareness Projekt „Save The Night – Awareness im Nachtleben von Trier“ wollen Sie der sexualisierten Gewalt im Trierer Nachleben entgegentreten und Feiern somit für alle sicherer machen. Das Angebot umfasst Schulungen für Ehrenamtliche und alle, die im Nachtleben arbeiten. Außerdem besteht die Möglichkeit Awareness-Teams für Veranstaltungen zu buchen. Mehr Infos dazu findet ihr hier.

Ihr seid selbst betroffen oder kennt eine Person die Unterstützung braucht?

Am vergangenen Donnerstag hat endlich wieder das beliebte Agenda-Quiz, unter neuem Namen „Agenda-Quiz – Fair Quizzen für Alle!“ stattgefunden! Zehn Gruppen mit fairtastischen Team-Namen haben gemeinsam gerätselt und die verschiedenen Fragerunden gemeistert.

Neben allgemeinen Fragen zu Trier und Nachhaltigkeit stand das Thema Barrierefreiheit und Inklusion im Fokus. Die circa 50 Teilnehmenden konnten sich unter anderem an der Blindenschrift Braille versuchen und in der Musikrunde fleißig Songs erraten.

Die Gewinner:innen des Abends konnten natürlich auch ordentlich abstauben: Zu gewinnen gab es einen Gutschein des Secondhandladen Liebe auf den 2ten Blick,  einen Gutschein des Café Shluk und Kaffee und Kaffeebecher des Weltladen in Trier. Ganz besonders konnte sich das Team mit dem kreativsten Namen über eine Flasche Sekt der Vereinigten Hospitien freuen.

Wir bedanken uns bei dem Schmit-Z, dass wir diesen tollen Abend im PROUD veranstalten durften und den Abend somit in einer barrierefreien Location ausrichten konnten! Außerdem danken wir Tacheles- dem inklusiven Medienteam der Lebenshilfe Trier, dass nicht nur zahlreich vertreten war, sondern auch ein paar Fragen beigesteuert hat. Letztlich danken wir natürlich auch den Teilnehmenden für diesen schönen Abend, den wir sicher im neuen Jahr wiederholen werden.

Der Agenda-Quizabend fand in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung Rheinland-Pfalz statt. Das Projekt FairWeg wird außerdem von der Aktion Mensch gefördert.

Hier ein paar Eindrücke des Abends für euch:

Über den Play-Button könnt ihr euch den Text auch vorlesen lassen!

Stellt euch vor, ihr könnt die Tageszeitung nicht lesen, das Wahlprogramm der nächsten Bundestagswahl oder ihr versteht einfach nicht welcher Film nächsten Samstag im Kino läuft. Sprache ist überall und wichtig um an Gesellschaft, Politik und sozialem Leben teilzuhaben.

In Deutschland leben allerdings ungefähr 10 Millionen Menschen, deren Lese- und Schreibfähigkeiten unter dem Durchschnitt der Bevölkerung liegen. Es wird sogar geschätzt, dass über 50 % der deutschen Bevölkerung Probleme beim Lesen und Schreiben „normaler“ Texte haben. Einfache und Leichte Sprache sollen dahingehend Teilhabe möglich machen.

Leichte oder Einfache Sprache?

Texte im Fernsehen, zum Beispiel in den Nachrichten, sind oft sehr kompliziert

Aber was ist überhaupt Leichte und Einfache Sprache? Wodurch unterscheiden sie sich? Leichte und Einfache Sprache sind beides vereinfachte Realisierungsformen der deutschen Sprache. Einfach gesagt liegt der Unterschied der beiden Sprachen darin, dass Leichte Sprache weniger komplex ist als Einfache Sprache. Sie unterscheiden sich aber auch dadurch, dass Leichte Sprache einem Regelwerk unterliegt und von Prüfer:innen für Leichte Sprache geprüft wird. Prüfer:innen für Leichte Sprache sind Menschen die selbst auf Texte in Leichter Sprache angewiesen sind und daher entscheiden können, ob der Text tatsächlich leicht verständlich ist.

Das Regelwerk bezieht sich auf die Wort- und Satzebene, auf Formulierungen, die Gliederung und die Textgestaltung. Zusätzlich wird die Leichte Sprache gerne durch Bilder unterstützt. Auch bei der Einfachen Sprache gilt es sich an grobe Grundsätze zu halten, diese sind allerdings weniger spezifisch und vor allem nicht verbindlich. Das Ziel der Einfachen Sprache ist es, die Texte so zu gestalten, dass möglichst viele Menschen ihn verstehen können. Der Zeit- und Kostenaufwand ist dabei wesentlich geringer.

Woher kommt die Leichte Sprache?

Der Ursprung der Leichten Sprache geht auf die US-amerikanische Organisation People First zurück. 1996 entwickelten sie das Konzept des „Easy Read“ (deutsch: Einfaches Lesen). Der deutsche Verein „Mensch zuerst“ gründete sich 2001 in Deutschland und brachte in Folge dessen zwei Wörterbücher in leichter Sprache heraus. 2006 entsteht dann das Netzwerk Leichte Sprache in Deutschland, welches sich für die Verbreitung der Leichten Sprache stark macht. Mittlerweile gibt es europaweite Richtlinien und sogar ein Siegel für die Leichte Sprache. Das Regelwerk wurde von Inclusion Europe in Kooperation mit acht europäischen Ländern herausgegeben. Das Konzept der Leichten Sprache ist außerdem in der UN-Behindertenrechtskonvention und dem Behindertengleichstellungsgesetz verankert.

Für wen?

Leichte und Einfache Sprache kann für die verschiedensten Menschen hilfreich sein. Dazu gehören:

Einfache Sprache richtet sich aber eigentlich einfach an jede:n, der/die sich mit der im Normalfall verwendeten Textsprache schwer tut.

Wo findet man Informationen in Leichter Sprache?

Mittlerweile gibt es einige Medien, die Leichte Sprache nutzen

Mittlerweile gibt es schon einige Nachrichtendienste, die auch Informationen in Leichter Sprache veröffentlichen. Auf nachrichtenleicht.de des Deutschlandfunks werden jeden Freitag die wichtigsten Nachrichten der Woche in Leichter Sprache veröffentlicht. Auch der NDR, der MDR und der SR veröffentlichen mittlerweile Nachrichten in Leichter Sprache. Vielen Menschen ermöglicht das die Teilhabe und Partizipation in Gesellschaft und Politik.

Kritik an der Leichten Sprache

Leichte Sprache wird allerdings auch häufig kritisiert. Es sei „dümmliches Deutsch“ oder „unkorrekte Sprache“. Der Vorwurf ist vor allem, dass Leichte Sprache auf Grund der inhaltlichen Vereinfachung falsche oder lückenhafte Informationen übermitteln würde. Sprache sei eben immer schwierig, dürfe deswegen aber nicht verändert werden. Dazu muss gesagt werden, dass bei Übersetzungen in Leichte Sprache versucht wird, dass so wenig Inhalt wie möglich verloren geht und vor allem die Form der Sprache verändert wird. Dass vielen Menschen ohne Leichte oder Einfache Sprache ein großer Teil der Welt verwehrt bleibt, scheint den Kritiker:innen dabei nicht bewusst zu sein.

Falls Ihr noch mehr zum Thema Behinderung und Sprache lesen wollt, schaut euch doch die anderen Beiträge unserer Themenwoche „Behindert Sprache?“ an!


Eine Sprache für Alle (Einfache Sprache)

10 Millionen Menschen in Deutschland können nicht gut lesen und schreiben. Lesen und schreiben ist wichtig um an der Gesellschaft und Politik teilzuhaben. Auch für den Alltag ist es wichtig.

Für diese Menschen gibt es Leichte Sprache oder Einfache Sprache. Leichte Sprache hat Regeln und wird geprüft. Einfache Sprache muss nicht geprüft werden. Die Regeln sind weniger streng. Die Leichte Sprache ist leichter als Einfache Sprache. Einfache Sprache ist günstiger und braucht weniger Zeit.

Woher kommt die Leichte Sprache?

Die Idee der Leichten Sprache kommt aus Amerika von der Organisation „People First“. Das ist Englisch und heißt "Menschen zuerst". Heute gibt es europaweite Regeln und ein Siegel für die Leichte Sprache.

Für wen?

Leichte Sprache und Einfache Sprache ist wichtig für:

Wo findet man Informationen in Leichter Sprache?

Informationen in Leichter Sprache findet ihr hier:

Kritik an Leichter Sprache

Manche Menschen kritisieren Leichte Sprache und sagen sie ist falsch. Sie sagen Sprache ist schwer und darf nicht verändert werden. Leichte Sprache soll aber nicht den Inhalt ändern, sondern die Form der Sprache. Außerdem ist sie für viele Menschen die einzige Möglichkeit mitzumachen.

Über den Play-Button könnt ihr euch den Text auch vorlesen lassen!

Weltweit leben circa 338 Millionen blinde und sehbehinderte Menschen. Häufig sind die Ursachen einer Erblindung oder Sehbehinderung vermeidbar oder behandelbar. In Deutschland geht die Zahl der blind geborenen Kinder daher zurück. Ein Großteil der blinden und sehbehinderten Menschen hier verlieren erst im Alter an Sehstärke. Trotzdem ist die Wichtigkeit der Brailleschrift nicht zu vernachlässigen. Sie war eine der ersten Möglichkeiten für blinde Menschen Schriftsprache zu lesen und sich schriftlich auszudrücken. Für blinde und sehbehinderte Menschen bedeutet das Selbstständigkeit und Inklusion in einer sehenden Welt. Sie ermöglicht dadurch Zugang zu Kultur und Bildungsleben.

Die Punktschrift bildet die verschiedenen Buchstaben unseres Alphabets, Zahlen und Satzzeichen ab. Es gibt darüber hinaus sogar spezielle Punktschriften, die mathematische und chemische Formeln und sogar Musiknoten abbilden.

Louis Braille – Erfinder und Namensgeber

Erfunden wurde die Sprache von dem Franzosen Louis Braille im Jahr 1825. Er selbst erblindete im Alter von 5 Jahren, nachdem er sich mit einem Werkzeug seines Vaters eine Verletzung am Auge zugezogen hatte. Nach drei Jahren in der Regelschule erhielt er durch ein Stipendium die Möglichkeit, das Pariser Blindeninstitut, die erste Blindenschule weltweit zu besuchen. Hier entwickelte er mit nur 16 Jahren die Brailleschrift. Er selbst erlebt das internationale Bekanntwerden der Sprache im Jahre 1878 als international verbindliche Blindenschrift allerdings nicht mehr. Er verstirbt im Jahr 1852 im Alter von 43 Jahren an Tuberkulose.

Wie funktioniert Braille?

Die Brailleschrift besteht aus sechs hervorstehenden Punkten, die mit den Fingern gelesen werden. Die einzelnen Buchstaben, teilweise auch ganze Worte werden durch eine Kombination der sechs Punkte abgebildet. Genau wie die Schwarzschrift (das „normale“ Schriftsystem) wird Braille von links nach rechts gelesen. Auch Zahlen können abgebildet werden, indem man den Buchstaben a-j ein Zahlenzeichen voranstellt. Da es sich bei der Brailleschrift um einen Code handelt, ist sie auf verschiedenste Sprachen anwendbar. Mittlerweile gibt es mehr als 285 verschiedene Sprachen in Brailleschrift, auch nicht europäische Sprachen, wie Chinesisch oder Koreanisch, die in der Schriftsprache auf anderen Alphabeten basieren. Neben der klassischen Brailleschrift entwickelte Louis Braille ebenfalls basierend auf den sechs Punkten, die Braille-Notenschrift. Dadurch können auch komplexe Musikstücke in Blindenschrift dargestellt werden.

Brailleschrift heute

Heutzutage beherrschen nur circa 10% der blinden oder sehbehinderten Menschen in Deutschland Braille. Das liegt daran, dass viele Menschen erst mit dem Alter eine Sehschwäche entwickeln und Braille zu diesem Zeitpunkt nicht mehr lernen. Ein weiterer Grund ist außerdem, dass Vorlesefunktionen wesentlich unkomplizierter und zeitsparender sind, als eine neue Schriftsprache zu lernen. Trotzdem ist Braille für blind geborene Menschen ein sehr wichtiger Bestandteil des Alltags.

Es gibt daher mittlerweile auch eine Computerbrailleschrift. Die Eingabe der Zeichen erfolgt über eine Braille-Tastatur und gelesen wird über eine Braille-Zeile. Die Texte werden von einem Screenreader Programm gelesen und auf der Braille-Zeile als fühlbare Stifte dargestellt. Da die Tastatur eines Computers aus mehr als 64 Tasten besteht, wurden den sechs Punkten zwei Punkte hinzugefügt. Mit acht Punkten gibt es somit 256 Kombinationsmöglichkeiten um die unterschiedlichen Zeichen abzubilden.

Wenn ihr jetzt Lust bekommen habt, euch das Schriftsystem genauer anzuschauen, haben wir ein Rätsel für euch: Was bedeutet das folgende Wort?

Ihr habt eine Idee? Schreibt uns gerne an lea@fairweg.info. Wir freuen uns auf eure Nachrichten.

Nachhaltig fairanstalten in Trier und Region.
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